Bürgerhaus seit über einem Jahr verwaist

Stadt findet keinen Pächter für Gaststätte in Vellmar 

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Seit über einem Jahr keine Gastronomie: Zwar wird der Saal des Bürgerhauses Vellmar-West an der Lüneburger Straße weiter von Vereinen und für Veranstaltungen genutzt. In den daran angeschlossenen Bürgerstuben sind die Lichter jedoch immer noch aus.  

Vellmar. Fast schon traurig stimmt die jüngste Stellenausschreibung der Stadt Vellmar. „Der Magistrat sucht für die Gaststätte im Bürgerhaus Vellmar-West (Lüneburger Straße 10) ab sofort einen neuen Pächter“, steht da geschrieben. Doch gesucht wird schon lange – seit über einem Jahr.

„Zehn Interessenten haben sich bislang gemeldet“, sagt Bürgermeister Manfred Ludewig (SPD). Verhandlungen seien mit drei Bewerbern geführt worden, jedoch sei es nie zu einer Einigung gekommen. Grund: „Die Bewerber waren nicht dazu in der Lage, eine Küche zu erwerben“, sagt Ludewig. Denn die fehlt in der Gaststätte Bürgerstuben – die vormalige Pächterfamilie Müller hatte sie ausgebaut und mitgenommen, als deren Pachtvertrag Ende 2015 ausgelaufen war. Warum? „Sie gehörte ganz einfach uns“, sagt Brunhilde Müller, die auch das Ahnepark-Café betreibt.

Manfred Ludewig

Seither fehlt diese Ausstattung in der Gaststätte Bürgerstuben. Inventar und Mobiliar für den Gastraum stehen jedoch weiterhin bereit. „Tatsächlich könnte der Gaststättenbetrieb sofort wieder aufgenommen werden, sobald eine Küche eingebaut ist“, sagt Ludewig. Die Stadt Vellmar sehe jedoch keine Möglichkeit, sich an etwaigen Anschaffungs- oder Einbaukosten zu beteiligen.

Ein unüberwindbares Hindernis für Pächter? Fakt ist immerhin auch, dass nur die Gaststätte ohne den Saal verpachtet werden soll. Aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten könnte solch eine Konstruktion für Pächter möglicherweise nicht interessant genug sein: Denn auch der Saal-Betrieb sichert Einnahmen – über Vermietungen. Doch diese Mieteinnahmen zieht nach wie vor die Kommune ein.

Doch sieht die Stadt darin kein Problem. Denn: Auch der Gaststätten-Pächter könnte ja die Halle von der Stadt anmieten, zum Beispiel, wenn er selbst eine Veranstaltung organisiert. Mietkosten könnten dann über Eintrittsgelder wieder reingeholt werden. Anders gesagt: Auch ohne Pachtoption für den Saal gibt es Möglichkeiten für den Gaststättenbetreiber, Geld mit dem Saal zu verdienen.

Weichen sind gestellt

Zudem wurde erst jüngst die Nutzungsordnung für die Vergabe von Räumen in öffentlichen Gemeinschaftseinrichtungen geändert: „Demnach müssen Saalmieter – sofern sie ein Catering wünschen – dies beim Gastronom der Bürgerstuben bestellen“, sagt Ludewig. Das garantiere zusätzliche Einnahmen. Ausgenommen seien davon Vellmarer Vereine und Verbände, denen weiterhin das Recht auf Selbstbewirtung zustehe.

So sieht die Stadt nach wie vor die Weichen für eine erfolgreiche Verpachtung der Bürgerstuben gestellt. „Wenn natürlich Bewerber kommen, deren Finanzdecke so dünn ist, dass noch nicht einmal in eine Küche investiert werden kann, dann wird es natürlich eng“, sagt Astrid Kneuer, Sprecherin der Stadt Vellmar.

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