Tram als Pluspunkt in der Bilanz

Für Stochla-Nachfolger: Modernisierung Vellmars ist weiter wichtiges Ziel

Herber Rückschlag: Vellmar – hier der Blick auf den Ahnepark – gab 2011 seine Bewerbung für den Hessentag zurück. Fotomontage: HNA

Vellmar. Vellmars Bürgermeister Stochla tritt ab und stellt sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr der Direktwahl um den Posten des Verwaltungschefs. Eine zentrale Frage drängt sich dabei auf: Was für ein Vellmar hinterlässt Stochla seinem Nachfolger nach Ende seiner Amtszeit im November?

Wie ist die Stadt in Kassels Speckgürtel aufgestellt? Die Bilanz fällt zwiespältig aus. Gescheitert ist Stochla mit seinem ambitionierten Plan, Vellmar mit durchgreifenden Projekten fit für die Zukunft zu machen. Ein Motor, der - abgesichert durch eine absolute Mehrheit der SPD in der Stadtverordnetenversammlung - bis dahin weitgehend rund lief, kam ins Stottern.

Der Masterplan, der die komplette Erneuerung des Stadtzentrums mit Abriss und Neubau der Einkaufspassage vorsah, überforderte die Vellmarer. Dies auch deswegen, weil dem Verwaltungschef im Vorfeld einige Stockfehler unterliefen.

Großer Erfolg: Die Eröffnung der Straßenbahn der Linie 1 von Kassel nach Vellmar im Oktober 2011 machte Vellmar als Wohnstadt noch attraktiver. Auf unserem Foto fährt die Tram in Höhe der Ahnatalschule Richtung Endhaltestelle Vellmar-Nord. Archivfoto: Umbach/nh

Unglücklich war, den Masterplan parallel zu den Planungen des Hessentags laufen zu lassen. Wo eigentlich die finanziellen Wohltaten der hessischen Landesregierung im Zuge des Festes im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion stehen sollten, war bald nur noch davon die Rede, wie die finanziell klamme Stadt Projekte im Zuge des Masterplanes auf eigene Kosten stemmen könnte.

In diese Diskussion platzte im Sommer 2011 die Ankündigung des Bürgermeisters, den Hessentag in Vellmar für 2013 wegen finanzieller Probleme zurückzugeben. Weiterer herber Rückschlag: Ein von CDU, Grünen und FDP initiierter Bürgerentscheid gegen die Finanzierung von Rathaus- und Parkdecksanierung über einen externen Investor hatte Ende November 2011 Erfolg. Seitdem lief nicht mehr viel in Vellmar.

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Aber: Der gescheiterten durchgreifenden Modernisierung Vellmars stehen auch große Erfolge gegenüber: An erster Stelle der Bau der Straßenbahn von Kassel nach Vellmar, den Stochla mit Geschick und Entschlossenheit auch gegen wiederholte Kritik vorangetrieben und bis zur Streckeneröffnung im Oktober 2011 begleitet hat. Die Tram war ein großer Schritt, das Image Vellmars als Wohnstadt mit Qualität weiter zu zementieren. Auf der Haben-Seite stehen auch die Sanierung und Modernisierung aller Kindertagesstätten, die Vellmar für junge Familien attraktiv machen. Das könnte durch die Ausweisung neuer Baugebiete abgerundet werden.

Denn zusätzliche Einnahmen kann Vellmar dringend gebrauchen. Wer auch immer Stochlas Nachfolger werden sollte, er hat mit dem defizitären Haushalt zu kämpfen, der keine großen Sprünge erlaubt. Um 600 000 Euro auf nunmehr 1,8 Millionen Euro kletterte das Minus im Etatentwurf für 2014, der vom Landkreis deshalb noch nicht genehmigt wurde.

Dirk Stochla

Der strahlende Wahlsieger vom August 2008 scheint heute nicht mehr als unantastbar zu gelten. Dirk Stochla, damals in seine zweite Amtsperiode als Bürgermeister gewählt, und seine SPD sind inzwischen auch in die Kritik geraten. Anscheinend auch innerhalb der Partei.

SPD-Mitglieder, die nicht namentlich genannt werden wollen, forderten im Gespräch mit unserer Zeitung „ein Umdenken in der SPD“. Das Vorgehen bei der Rathaussanierung und die Absage des Hessentages seien „nicht gut überdacht gewesen“. Die SPD müsse „offener für Selbstkritik“ werden, denn „kommunalpolitisch liegt in Vellmar etwas im Argen“, heißt es intern. Andere meinen, der Rückenwind für den Bürgermeister in der SPD habe „nachgelassen“. (swe)

Von Stefan Wewetzer

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