Sicherungsverfahren gegen 50-Jährige

Tödlicher Angriff in Vellmar: „Die ist doch verrückt“

Sicherungsverfahren wegen des Verdachts des Totschlags: Die 50-jährige Beschuldigte hat bereits vor dem Kasseler Landgericht gestanden, dass sie ihre Nachbarin am 28. Januar mit Hammerschlägen und Messerstichen getötet hat. Zeichnung: Reinckens

Kassel. Im Sicherungsverfahren gegen eine 50-Jährige aus Obervellmar sagten am heutigen Dienstag mehrere Zeugen aus. Die Frau soll ihre Nachbarin auf offener Straße getötet haben.

„Die ist doch verrückt. Dagegen kann man sich nicht wehren“, sagte eine 26-jährige Zeugin vor dem Kasseler Landgericht und brach in Tränen aus. Damit meinte die junge Frau die 50-jährige Beschuldigte, die am Vormittag des 28. Januar 2014 ihre 54-jährige Nachbarin auf der Frankfurter Straße in Vellmar getötet haben soll.

Beim Auftakt des Sicherungsverfahrens in der vergangenen Woche hatte die Beschuldigte die Tat bereits gestanden. Am Dienstag schilderten Nachbarn, was sie von dem Geschehen mitbekommen hatten.

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Die 26-Jährige hatte die Tat aus dem Fenster beobachtet, nachdem sie Schreie gehört hatte. Sie berichtete von einer Rangelei auf der Straße und dass eine Frau mit einem Messer auf eine andere Frau mehrfach eingestochen habe, die bereits auf dem Bürgersteig lag. Zudem habe sie zwei Männer gesehen, die dem Opfer helfen wollten. Diese hätten versucht, die Angreiferin an den Armen von der Frau wegzuziehen. „Aber die hat sich von der Tat nicht abbringen lassen.“ Bei wem es sich um die zwei zur Hilfe eilenden Männer gehandelt haben soll, daran konnte sich die 26-Jährige vor Gericht allerdings nicht mehr erinnern.

Jedenfalls wohl nicht um jene männliche Nachbarn, die ebenfalls am Dienstag aussagten und unisono berichteten, dass sie laute Hilfeschreie von der Straße gehört und gesehen hätten, wie die Beschuldigte die Nachbarin mit einem Messer angriff. Darunter war auch der ehemalige Vermieter der 50-Jährigen. Der Mann sagte: „Ich hatte keine Chance, einzugreifen.“ Er sei nur schnell zurück ins Haus gelaufen und habe einen Notruf abgesetzt.

Der 76-Jährige berichtete zudem, dass die Frau mit ihrem Sohn von Sommer 2010 bis zum Dezember 2013 in seiner Mietwohnung im ersten Stock gewohnt habe. Die ersten eineinhalb Jahre seien er und seine Frau mit der Mieterin einigermaßen zurechtgekommen, dann hätten die Probleme begonnen.

Die Mieterin habe oft geschrien, aus dem Fenster, vom Balkon und auch nachts. Manchmal sei es so schlimm gewesen, dass die Polizei gerufen worden wäre, schilderte der 76-Jährige. Die Frau habe behauptet, ihr späteres Opfer würde ihr Energie stehlen, zudem habe sie seine Frau und ihn selbst als „Drecksäue“ beschimpft und ihnen den Tod gewünscht.

Die Beschuldigte räumte ein, dass sie ihren Vermieter schon mal als Mörder bezeichnet habe. Solche Wörter wie „Drecksack“ nehme sie allerdings nicht in den Mund, das sei unter ihrem Niveau.

Zwischenzeitlich musste auch der Vorsitzende Richter Volker Mütze eingreifen, als die Beschuldigte während einer ihrer Heulattacken ausrastete und behauptete, dass „ihre Kinder weiterhin massenweise umgebracht werden“. Zudem würde gar keine richtige Verhandlung gegen sie geführt, so die 50-Jährige.

Tödliche Attacke in Obervellmar

Daraufhin fand der Vorsitzende deutliche Worte: „Jetzt läuft es nach unseren Regeln ab. Wir können auch ohne Sie verhandeln.“

Der Prozess wird am Dienstag, 25. November, fortgesetzt.

Hintergrund: Sicherungsverfahren gegen 50-Jährige 

Weil sie ihre frühere Nachbarin am 28. Januar dieses Jahres auf der Frankfurter Straße in Vellmar brutal getötet haben soll, muss sich seit vergangener Woche Montag eine 50-jährige Frau wegen des Verdachts des Totschlags auf der Anklagebank des Kasseler Landgerichts verantworten. Allerdings geht die Staatsanwaltschaft Kassel davon aus, dass die Frau im Zustand der Schuldunfähigkeit vier Mal mit einem Hammer auf den Kopf des Opfers eingeschlagen und 27 Mal mit zwei Messern zugestochen hat. Deshalb geht es in dem Sicherungsverfahren gegen die Frau auch darum, ob sie in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen wird. Laut Anklage leidet die 50-Jährige, die derzeit in einer Klinik für forensische Psychiatrie in Gießen untergebracht ist, an einer paranoiden Schizophrenie. Von ihr seien weitere Taten zu erwarten, sie stelle für die Allgemeinheit eine Gefahr dar. Bei der paranoiden Schizophrenie handelt es sich um die häufigste Erkrankung aus dem Formkreis der Schizophrenien. Im Mittelpunkt stehen hier Wahnvorstellungen, Störungen des Ich-Bewusstseins und Halluzinationen.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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