Tödlicher Unfall bei Istha: Amtsgericht verurteilt Verursacher zu Bewährungsstrafe

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Kassel/Vellmar. Bei einem Verkehrsunfall im Oktober 2012 verstarb auf der B 450 zwischen Istha und Wolfhagen ein 51-Jähriger. Der Verursacher war ein 43-jähriger Mann aus Baden-Württemberg, der wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung jetzt auf der Anklagebank des Amtsgerichts in Kassel saß.

Er sei an jenem Abend, nachdem er seine beiden Kinder zurück zu seiner Ex-Frau gebracht habe, auf dem Weg zu seiner neuen Lebensgefährtin in Bad Arolsen gewesen. Es habe leicht geregnet. In einer Kurve auf der B 450 habe er leicht gebremst, da sei der Wagen ausgebrochen. Was danach geschah, daran habe er keine Erinnerung.

Sein Auto war auf die andere Fahrbahnseite gelangt und frontal gegen einen entgegenkommenden Wagen gekracht. Der Aufprall war so stark, dass bei dem anderen Auto der Motor herausbrach.

Der Fahrer aus Vellmar erlitt erhebliche Verletzungen, er wurde ins Krankenhaus gebraucht, wo er im November 2012 starb. Seine beiden Söhne auf der Rückbank kamen glimpflich davon, seine Frau als Beifahrerin erlitt ebenfalls diverse Verletzungen. Sie muss sich, wie sie im Gerichtsverfahren als Zeugin berichtete, bis heute wegen eines posttraumatischen Belastungssyndroms behandeln lassen.

Der Angeklagte, Bauingenieur und Vater zweier Kinder, war während der Verhandlung mehrfach den Tränen nahe, auch an ihm ist das Erlebnis nicht spurlose vorübergegangen. Er war nach dem Unfall in ein künstliches Koma versetzt worden und hatte erst Tage danach erfahren, was passiert war. „Ich musste mich in psychiatrische Behandlung begeben, konnte lange kein Auto fahren und habe meinen Job verloren.“

Er beteuerte, dass er an jenem Abend vorschriftsmäßig unterwegs gewesen sei. Er fahre seit dem 18. Lebensjahr Auto und habe seither nie einen Unfall gehabt. „Hätten meine beiden Kinder mit im Auto gesessen, wäre ich nicht anders gefahren.“

Doch ein Sachverständigengutachten sagt etwas anderes. Demnach hat die Geschwindigkeit beim Zusammenstoß etwa 120 Stundenkilometer betragen, zuvor muss sie noch etwas höher gewesen sein. Der Fahrer im entgegenkommenden Auto habe keine Chance zum Ausweichen gehabt. Auslöser des Unfalls sei das zu hohe Tempo und das Bremsen auf regennasser Fahrbahn gewesen.

Ein Jahr auf Bewährung und drei Monate Entzug der Fahrerlaubnis, lautete deshalb am Ende das Urteil. Zwar müsse neben der Familie des verstorbenen Vellmarers auch dem Angeklagten ein gewisses Mitleid zugestanden werden, doch er habe grob fahrlässig gehandelt, hieß es in der Urteilsbegründung.

Bei seiner langen Fahrpraxis hinter dem Lenkrad habe ihm klar sein müssen, dass man auf nasser Straße angemessen fahren muss. Hundert Stundenkilometer sei die maximale Geschwindigkeit bei optimalen Verhältnissen, dieses Limit habe der Angeklagte trotz widriger Witterungsverhältnisse aber überschritten.

Von Ralf Pasch

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