Zur Belohnung gab es Milchreis

Über 400 Moslems feierten Ende der Fastenzeit in Moschee in Niederzwehren

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Im Zwiegespräch mit Gott: Imam Faceed Nafir Ammad (rechts) spricht das Gebet, dem die Gläubigen anlässlich ihrer Feier andächtig zuhören. 

Kassel/Vellmar. Einen Monat lang haben Muslime auf der ganzen Welt gefastet. Am Wochenende haben sie nun das Ende des Fastenmonats Ramadan gefeiert, mit Gebeten und viel Essen. 

Bevor man den Gebetsraum der schlichten, in weiß gehaltenen Mahmud Moschee in Niederzwehren betreten darf, heißt es: Schuhe ausziehen. In großen Schuhschränken vor dem Gebetsraum stapeln sich schon früh am Samstagmorgen hunderte Paar Schuhe. Männerschuhe.

Denn die hellen Gebetsräume sind nach Geschlechtern aufgeteilt. Frauen und Männer beten getrennt voneinander in der Moschee. Die Gläubigen sitzen auf dem Boden und hören still dem Imam (vergleichbar den Pfarrern oder Priestern der christlichen Kirchen) zu, der das Gebet spricht, das auch ins Deutsche übersetzt wird.

Nach 20 Minuten spricht Imam Faceed Nafir Ammad die letzten Worte des Gebets und die meisten Gläubigen hält es da schon kaum noch auf den Knien. Denn mit diesen letzten Worten läutet der Imam den Beginn des Festes des Fastenbrechens ein. Die Gläubigen erheben sich und fallen sich freudestrahlend in die Arme – egal, ob die Männer ihren Sitznachbarn kennen oder nicht. „Es gilt, die Freude zum Ausdruck zu bringen, die man empfindet, wenn die Fastenzeit vorbei ist, und dankt Allah dafür, die Anstrengungen überwunden zu haben“, sagt Atif Tschohan, der für die Jugend- und Öffentlichkeitsarbeit in der muslimischen Gemeinde Kassel zuständig ist.

Wenn jeder – hoffentlich – seine Schuhe wiedergefunden hat, beginnt der fröhliche und ungezwungene Teil der Veranstaltung auf dem Hof der Moschee. Für alle gibt es leckeren Milchreis und süßen Tee mit viel Milch. Immer wieder umarmen sich die Menschen und die Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit ergreift auch Nichtmuslime. Man muss einfach zurücklächeln und den Händedruck annehmen.

Auch Hasan Odabasi aus Vellmar ist mit seiner Familie gekommen. „Wir pflegen in Vellmar eine kleine muslimische Gemeinschaft, bestehend aus circa 15 Familien“, erzählt er. „Viele sind heute hier, aber wir werden in Vellmar weiterfeiern.“ Die Mitglieder der Glaubensgemeinschaft engagieren sich auch in der Stadt Vellmar selbst. Obligatorisch sei die Teilnahme an der Aktion „Saubere Landschaft“, die einmal im Jahr stattfindet. Auch im sozialen Bereich arbeiten sie und helfen gerne, sagt Odabasi.

„Die meisten Mitglieder unserer Gemeinde haben die deutsche Staatsbürgerschaft“, erklärt Atif Tschohan. „Wir schätzen das friedliche Miteinander sehr.“ Wichtig ist ihm auch die Aussage: „Wir lassen es in unserer Gemeinde nicht zu, dass der Islam für Machtmissbrauch oder Politik ausgenutzt wird“.

In Niederzwehren löst sich die Feier nach anderthalb Stunden auf, aber zu Hause gehen die Feierlichkeiten dann erst richtig los, mit reichlich Essen, um das Ende des Fastenmonats zu feiern.

Das ist der Ramadan 

Weltweit feiern 1,5 Milliarden Muslime das Ende des Ramadan, der muslimischen Fastenzeit, in der nur in der Zeit von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang das Essen und Trinken gestattet ist. Das Ende dieser Zeit wird mit einem großen Fest gefeiert, dem Fest des Fastenbrechens, das auf Arabisch Eid al-Fitr heißt und im Türkischen als Zuckerfest bezeichnet wird. Höhepunkt des Festes ist der erste Tag, der mit der Sichtung des Neulichts nach dem Neumond beginnt. Weil die Festlegung des Festtermins traditionell nach der Mondsichtung erfolgt, kann es vorkommen, dass abhängig von Land und Region das Fest an unterschiedlichen Tagen begangen wird.

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