Zwei Jahre und sieben Monate Haft

Ex-Frau mit Schwert attackiert: Kein Tötungsversuch

Vellmar/Kassel. Von „martialischen Verletzungswerkzeugen“ sprach Richter Volker Mütze. Bewaffnet mit Baseballschläger und Samuraischwert war ein 38-Jähriger im Mai 2013 in die Vellmarer Spielhalle B7 gestürmt und auf seine Noch-Ehefrau losgegangen.

Aktualisiert um 14.40 Uhr

„Das lässt ein Gemetzel erwarten. Aber dazu kam es nicht“, sagte der Vorsitzende der Schwurgerichtskammer am Kasseler Landgericht, als er am Dienstag das Urteil gegen den Mann verkündete. Mit zwei Jahren und sieben Monaten Gefängnis für diesen und zwei weitere, deutlich harmlosere Angriffe kam der Angeklagte deshalb recht glimpflich davon. Das Gericht stufte den nächtlichen Überfall in der Spielhalle lediglich als gefährliche Körperverletzung ein – und nicht als versuchten Totschlag wie Staatsanwalt Enrico Weigelt, der vier Jahre und neun Monate Haft für den nicht vorbestraften Kasseler gefordert hatte.

„Keine Frage“, sagte Richter Mütze, „er wollte verletzen.“ Aber dass der Angeklagte den Tod der 31-jährigen Mutter seiner beiden Kinder gewollt oder in Kauf genommen habe, dafür gebe es keine Hinweise.

Im Gegenteil: Nicht das „extrem schwere und extrem scharfe“ Schwert, das er in seiner stärkeren rechten Hand trug, habe der Mann benutzt. Sondern nur mit dem Leichtmetall-Schläger in seiner Linken zugeschlagen. Mehrfach zwar, aber ohne allzu schwere Verletzungen zu verursachen.

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Also: Er hätte töten können. Aber dafür habe er kein Motiv gehabt, meinte die Strafkammer. Denn bei seiner Racheaktion sei es ihm um etwas anderes gegangen: „Er versuchte, mit falschen Mitteln die Fortsetzung der Beziehung zu erreichen“, befand Mütze.

Und Schläge, wenn auch nicht von dieser Brutalität, seien schon bei früheren Streits sein bevorzugtes Argument gewesen. „Seine Frau nahm es hin, dass sie gelegentlich mal einen auf den Kopf bekam“, sagte der Richter. „Das war in dieser Ehe normal.“

Der Angeklagte hatte die Tat gestanden. „Ich habe meine Frau und meine Kinder geliebt“, beteuerte er in seinem Schlusswort. „Es tut mir wirklich leid, was ich getan habe.“ Er habe sich am Abend zuvor aus Trennungsfrust mit Alkohol und Kokain zugedröhnt. Und dann eine Sicherung bei ihm durchgebrannt sei.

Staatsanwalt Weigelt degradierte das zur reinen Schutzbehauptung: „Das Trinkgelage hat nicht stattgefunden“, behauptete der Ankläger. Das Gericht hielt die Darstellung des Angeklagten aber für nicht zu widerlegen und folgte nicht nur in diesem Punkt der Verteidigung. Nur eine Bewährungsstrafe, wie sie Rechtsanwalt Axel Dohmann für seinen Mandanten verlangt hatte, wollte die Strafkammer nicht verhängen.

Von Joachim Tornau

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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