15.000 Bienen 

Vellmar: Jugendliche produzieren auf Dach der Ahnatal-Schule Honig

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Eifrige Jungimker: Unter der Leitung von Bastian Kunz hegt und pflegt die Imker-AG der Ahnatal-Schule auf dem Dach des Gebäudes in Vellmar mehrere Bienenvölker.

Vellmar. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln macht den Bienen arg zu schaffen. Der Bestand geht dramatisch zurück. Dennoch versuchen sich Schüler der Ahnatal-Schule als Imker und haben seit drei Jahren Erfolg.

Wenn der elfjährige Noah aus Ahnatal morgens in sein Honigbrot beißt, weiß er ganz genau, woher der süße Aufstrich stammt: vom Dach seiner Schule, der Ahnatal-Schule in Vellmar. Hier produziert die Imker-Arbeitsgemeinschaft der Gesamtschule unter der Leitung von Lehrer Bastian Kunz bereits im dritten Jahr ihren eigenen Honig, den sie zum Beispiel auf Schulveranstaltungen verkauft. „Ich esse sehr gern Honig. In der AG bin ich, weil ich mich dafür interessiere, wie er hergestellt wird. Mir macht es Spaß, mich um die Bienen zu kümmern“, sagt der Fünftklässler, bevor er gemeinsam mit seinen zwölf Mitschülern das Dach der Schule betritt.

Während den Schülern unten in den Klassenräumen, Zahlen und Buchstaben durch den Kopf schwirren, schwirren hier oben auf dem Gebäude ebenso fleißige Bienen umher, um die letzten Honigvorräte anzulegen und sich auf die Winterruhe vorzubereiten. Etwa drei bis vier Bienenvölker werden von den Fünft- bis Zehntklässlern das ganze Jahr über gehegt und gepflegt. „Im Winter haben wir insgesamt ungefähr 10 000 bis 15 000 Bienen, im Sommer sind es etwa doppelt so viele“, erläutert Biologie-Lehrerin Patricia Dinsch, die für die AG eigens einen Imker-Lehrgang absolviert hat.

Vom Großvater geerbt

Fleißige Bienen: Derzeit bereiten sich auch die Bienenvölker der Ahnatal-Schule auf die Winterruhe vor. Fotos: Rogge-Richter

Auch ihr Kollege brachte das nötige Fachwissen mit: Bastian Kunz hatte viele Jahre mit seinem Großvater geimkert und dessen Material geerbt. Daher sei er auf die Idee gekommen, mit den elf- bis 16-jährigen Schülern Bienen zu halten, zu züchten und sehr hellen Blütenhonig zu produzieren, den sie stets vor den Sommerferien ernten. „Wir wollen unsere Schüler für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Umwelt und Natur sensibilisieren“, sagt Bastian Kunz. „Gleichzeitig werden die Schüler an unserer Schule, die Mitglied im Deutschen Imkerverbund ist, zu Imkern ausgebildet: Ihnen fehlt dann nur noch ein kurzer Lehrgang, um ihren eigenen Honig offiziell herstellen und verkaufen zu dürfen“, erläutert der Leiter der AG.

Zu den erfahrenen Jungimkern gehört der 14-jährige Finn aus Kassel, der sich zum dritten Mal in Folge in die Imker-AG eingewählt hat: „Wir lernen hier fürs Leben: dass man mit anderen Lebewesen vorsichtig umgehen muss und sie zum Beispiel nicht zerquetschen darf“, sagt der Achtklässler, bevor er sich den Schleier aufsetzt, der ihn und die weiteren Schüler während der Arbeit an den bunten, kastenförmigen Bienenstöcken vor allzu aufdringlichen Bienen schützt. „Gestochen wurde hier bislang erst ein Schüler. Schließlich lernen wir, dass wir uns in Gegenwart der Bienen möglichst langsam und vorsichtig bewegen“, sagt Bastian Kunz. Das hat auch Louisa, 11, aus Espenau bereits gelernt: „Die Bienen müssten eigentlich mehr Angst vor uns haben, als wir vor ihnen“, ergänzt sie.


HINTERGRUND

Bienensterben seit 2006 bekannt

Viele Imker begleitet, wenn sie im Frühjahr in ihre Bienenstöcke sehen, die Sorge: Wie viele Völker hat im vergangenen Winter das Bienensterben dahingerafft? Schuld sind Milben, Viren und auch der Mensch. Seit 2006 ist das Phänomen „Bienensterben“ in Europa und den USA bekannt. Neben der Varroa-Milbe und anderen Parasiten ist es vor allem der einseitige Speiseplan in der modernen Agrarlandschaft, der den Bienen zu schaffen macht: Die Tiere sind so geschwächt, dass regelmäßig eine hohe Anzahl der Völker stirbt. Laut dem Deutschen Imkerbund lag die Verlustrate von Bienenvölkern im Winter 2016/17 je nach Region zwischen 15 und 20 Prozent über der normalen Sterblichkeitsrate von zehn Prozent. Auf Deutschland bezogen sei ein Verlust von rund 170 000 Bienenvölkern zu beklagen gewesen. Damit wäre fast jedes fünfte Bienenvolk betroffen. Allein in Deutschland ist nach Angaben des Deutschen Imkerbundes die Zahl der Bienenvölker seit 1952 von 2,5 Millionen auf heute weniger als eine Million zurückgegangen. (cge)

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