Lizenz-Vergütung verlangt

Vellmar: Kindergarten scheitert bei CD-Veröffentlichung an Vorgaben

So sollte das Cover der CD aussehen

Vellmar/Kassel. 65 bezaubernde Kinderstimmen, Erzieherinnen, die „summten, brummten, flöteten" und ein Schluckauf: All das war im Frühjahr im katholischen Kindergarten Heilig Geist in Vellmar zu hören.

Im Turnraum haben die Drei- bis Sechsjährigen 14 Lieder für „Die Kindergartenhits 2014“ aufgenommen.

Die Vorgaben durch die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema), eine Flut von Anträgen und stundenlange Telefonate zur Klärung der Urheberrechte haben laut Leiterin Kathrin Henze jedoch dazu geführt, dass von der CD im Grunde nur noch das eigens gedruckte Booklet übrig blieb.

„Wir wollten allen Kindern und Eltern gleichzeitig die 100 CDs zur Erinnerung an die gemeinsame Zeit gegen eine Spende überreichen, die sie selbst hätten bestimmen können“, sagt Kathrin Henze. „Das Geld sollte dem Kindergarten zugute kommen, insbesondere der Erneuerung unseres Außengeländes.“

Bereits im April habe sie den Lizenzantrag für die Nutzung der Titel wie „Die Jahresuhr“ von Rolf Zuckowski bei der Gema gestellt. Zwar habe die Gema daraufhin die Auslieferungsgenehmigung vorläufig erteilt, sie verlangte jedoch eine Lizenzvergütung. „Wie hoch die Rechnung ausfallen würde, konnte mir die Gema am Telefon nicht sagen: Da müsse ich selbst im Internet suchen“, erinnert sich Kathrin Henze. „Ich habe herausgefunden, dass der Betrag nicht so hoch werden würde. Also nahmen wir die CD auf.“

Hat resigniert: Kathrin Henze vom katholischen Kindergarten Heilig Geist.

Um den Tonträger zu vervielfältigen, benötigte das Presswerk in Kassel jedoch die Urheberrechteerklärung. Die folgenden unzähligen Telefonate mit den Komponisten, um diese um Erlaubnis zu bitten, kosteten Kathrin Henze nicht nur viel Zeit, sondern auch Nerven: „Schließlich erfuhren wir von den Musikern, dass dies nur für die drei Lieder galt, die wir textlich verändert hatten.“ Das Management der Sportfreunde Stiller stellte sich gegenüber dem Kindergarten quer. Den Titel „54, 74, 90, 2010“ durften die Erzieherinnen nicht als Überraschung für die Kinder in „Ihr seid gut, Ihr seid toll, Ihr seid wunderwundervoll“ umdichten.

Und auch der „Rabenrap“, der auf „We will rock you“ von Queen basiert, konnte so nicht veröffentlicht werden. „Wir hätten den Text auf Englisch zum verantwortlichen Musikverlag schicken müssen, um zu belegen, dass wir keine jugendgefährdenden Texte veröffentlichen. "Wir sind doch ein Kindergarten", sagt Kathrin Henze und schüttelt den Kopf.

Resigniert beschlossen die Erzieherinnen, die Kindergartenhits in der geplanten Fassung einzustampfen. „Wir wollen unseren Kindern ein Vorbild sein und uns an sämtliche Vorgaben halten. "Der bürokratische Aufwand war jedoch viel zu groß“, sagt Kathrin Henze, die sich nicht vollends entmutigen lässt: „Bei unserer nächsten CD wissen wir, worauf wir achten müssen.“

Das sagt die Gema

Information

Diese Stellungnahme der GEMA wurde nachträglich dem Artikel hinzugefügt. Leider wurde seitens der Redaktion versäumt, diese auch online einzubinden. Wir bitten um Entschuldigung für dieses Versäumnis.

„Unsere Vorgaben basieren auf dem Urheberrechtsgesetz, das denken wir uns nicht einfach aus“, sagt Gaby Schilcher, Pressereferentin der Gema in München. „Wenn Sie das Eigentum eines anderen Menschen, also zum Beispiel Texte oder Noten, nutzen, müssen Sie ihn um Erlaubnis fragen. Das Singen im Kindergarten im kleinen Rahmen ist lizenzfrei. Sollte es dabei jedoch beispielsweise um die Veröffentlichung eines Tonträgers gehen, muss diese gegen eine Lizenzgebühr von uns als Verwertungsgesellschaft genehmigt werden. Ich persönlich kann nachvollziehen, dass in solch einem Projekt viel Liebe und Engagement steckt. Mein Tipp: Lassen Sie sich nicht abschrecken. Die Lizenzvergütung ist nicht teuer und beträgt in diesem Fall pro CD nur ein paar Cent. Verändern Sie den Text nicht. Am besten verteilen Sie Ihre CD kostenlos oder gegen eine frei wählbare Spende – das wird dann bei der Lizenzierung nicht mit einkalkuliert. Und: Rufen Sie uns an oder mailen Sie uns, die Gema hilft Ihnen. Das ist in diesem Fall offensichtlich unglücklich gelaufen.“

Von Sarah Rogge-Richter

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