Geld brachte es ihm keines

Vellmarer erfand vor 50 Jahren Gitter für Straßenbahninseln

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Erfinder: Ernst Valkay aus Vellmar zeigt das Original einer Zeichnung von einem Sicherheitsgitter für Straßenbahninseln.

Vellmar. Der Vellmarer Ernst Valkay hat vor 50 Jahren Sicherheitsgitter für Straßenbahninseln erfunden. Die Städte haben das Gitter seinen Angaben zufolge aber erst installiert, als Valkays Schutzrecht erloschen war.

Auch wenn seine Erfindung ihm womöglich viel Geld hätte bringen können - verbittert ist Ernst Valkay nicht. „Ich bin nicht böse darum. Mir ging es darum, dass es verwirklichbar war. Ich freue mich, dass es von vielen Städten umgesetzt wurde, auch wenn ich kein Geld bekommen habe.“

Vor 50 Jahren hat der heute 75-Jährige aus Vellmar nicht nur eine Signalleuchte für Zebrastreifen erfunden, sondern auch das „Sicherheitsgitter für Straßenbahninseln“. Beides hatte er als Patent angemeldet. Die Städte aber haben das Gitter seinen Angaben zufolge erst installiert, als Valkays Schutzrecht erloschen war.

Tödlicher Unfall

Der Anstoß war ein Unfall in Kassel mit tödlichem Ausgang. „Ich dachte mir, da muss man doch was machen“, erzählt der Erfinder. Ein Schutzgitter gab es vorher nicht. Das Deutsche Patent- und Markenamt in München ließ die Erfindung zu.

Mit dem Schutzgitter wollte Valkay die Fußgänger dazu bringen, nur über den Zebrastreifen auf die Straßenbahninsel in der Straßenmitte zu laufen. Dazu passte das blinkende Dreiecksschild vor dem Zebrastreifen, das er sich ebenfalls patentieren ließ. Doch diese Erfindung kam wohl einfach zu spät - die ersten Fußgängerampeln gab es Jahre zuvor schon in deutschen Städten wie Berlin.

Valkay beauftragte einen Anwalt, der alle Städte mit Straßenbahnen anschrieb und das System vorstellte. Laut Valkay war das Interesse der Kommunen durchaus da. „Die Städte haben gesagt, das ist eine tolle Sache, aber es gibt derzeit keinen Bedarf. Sie wollten das finanzielle Risiko nicht tragen“, mutmaßt der Rentner. Er selbst habe nicht die finanziellen Mittel gehabt, die Gitter auf den Markt zu bringen. „Ich kann doch nicht das Haus verkaufen, nur weil ich eine geistige Blähung habe“, sagt er.

Und auch die Aufrechterhaltung der Schutzrechte kostete Geld: Laut Patent- und Markenamt wirkt ein erteiltes Patent maximal 20 Jahre lang. „Durch Zahlung der Jahresgebühr ab dem dritten Jahr verlängert sich der Schutz automatisch“, heißt es dort. „Irgendwann wurde das zu teuer und ich habe es sein lassen“, sagt Valkay. Wenige Jahre später sah er in Kassel „sein“ Schutzgitter an einer Straßenbahninsel. „Ich sagte zu meiner Frau: ,Das ist doch das Gitter, das ich gemacht habe, nur in verschönerter Form.‘“

Laut der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft gibt es die Schutzwände seit mehreren Jahrzehnten. „Es ist ein Schutz vor Wasserspritzern von Autos bei Regen“, erzählt der Leiter der Abteilung Infrastruktur, Reiner Blobel. An der Frankfurter Straße, wo damals der Unfall passierte, seien die Gitter 1986 im Zuge eines Umbaus angebracht worden. Auch in München und anderen Städten gehören Schutzgitter mittlerweile zum Standard. Verlorenen Einnahmen durch die Patente trauert Valkay nicht nach: „Mir ging es um den Anstoß“, betont er.

Geruchsfreie Toilette 

Seinem Erfindungsreichtum taten die Rückschläge keinen Abbruch: In den 1990er-Jahren ließ er sich eine Vorrichtung für eine geruchsfreie Toilette patentieren. Doch auch diese Erfindung wurde von Unternehmen erst aufgegriffen und weiterentwickelt, nachdem Valkays Schutzrechte erloschen waren. (dpa)

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