Hilfe unter karibischer Sonne

Vellmarer Rettungssanitäter waren mit Hero-Foundation im Einsatz auf Haiti

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Inselparadies mit Gegensätzen: Neben Prachtvillen findet man auf Haiti größte Armut in den teilweise noch zerstörten Straßenzügen. Trotzdem sind die Menschen fröhlich und freundlich.

Vellmar. Die Menschen in Haiti sind seit Jahren immer wieder Naturkatastrophen ausgesetzt. Drei Rettungssanitäter aus Vellmar waren nun drei Wochen auf der Karibikinsel, um den Menschen vor Ort zu helfen. 

Es gehört zu den Aufgaben eines Rettungssanitäters, kranke und verletzte Menschen zu versorgen und sie dann zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus zu bringen. Das tun Martin Pillkowsky, Tim Drönner, Benjamin Spengler und Sascha Reetz seit Jahren hauptberuflich beim DRK Rettungsdienst. Jetzt waren die Helfer drei Wochen auf der Karibikinsel Haiti im Einsatz, um dort Menschen zu helfen, die seit Jahren immer wieder von Naturkatastrophen heimgesucht werden.

„Wir haben über soziale Netzwerke einiges vom Schicksal der Menschen auf Haiti gehört“, erklärt Martin Pillkowsky. Dabei stießen die vier DRK-Mitarbeiter auf die Hero-Foundation, die sich schon seit Jahren ehrenamtlich um die Menschen kümmert, die auf Haiti dringend Hilfe benötigen. „Schnell war uns klar, dass wir dort helfen wollten“, sagt Pillkowsky. Die Kasseler Rettungsdienst GmbH als Arbeitgeber gewährte für das Vorhaben fünf Tage Sonderurlaub, der Rest wurde durch angesammelte Überstunden abgedeckt. Die Kosten für den Hilfseinsatz in der Karibik bestritten sie größtenteils aus eigener Tasche.

Armut und Reichtum

„Was uns auf Haiti erwartete, war einfach surreal“, beschreibt Tim Drönner die Situation vor Ort. Armut und Reichtum lägen ganz dicht beieinander. Elendsviertel lägen neben Prachthotels und Villen. Trotzdem seien die Menschen fröhlich und sehr freundlich. Eine Infrastruktur sei nicht vorhanden. 

Der Alltag der Menschen findet auf der Straße statt, wo auch die Geschäfte getätigt werden. Der Müll bleibt liegen, bis er irgendwann an Ort und Stelle verbrannt wird. Ein Gesundheitssystem ist so gut wie nicht vorhanden. Zwar gebe es Krankenhäuser, aber keinen Rettungsdienst. „Kranke oder Verletzte werden in Privatfahrzeugen abtransportiert“, weiß der 30-Jährige. Eines der Hauptprobleme stellt die allgegenwärtige Korruption dar. Hilfslieferungen und medizinisches Verbrauchsmaterial aus dem Ausland kommen selten vollständig in den Krankenhäusern an, weil es vom Personal verkauft wird.

„Unser Hauptaugenmerk richtete sich hauptsächlich auf die Behandlung von kranken Kindern, die an Unterernährung litten oder dehydriert waren. Aber wir hatten auch Patienten mit Schussverletzungen oder Wunden durch Macheten“, erzählt Sascha Reetz. Mit einfachsten Mitteln und geringem Aufwand konnten die Sanitäter aus Deutschland vor allem den Kindern helfen. Dabei blieben Strandbesuche oder Shoppingtage aus, denn die vier Sanitäter waren fast 24 Stunden im Einsatz.

Dass dieser Einsatz eine ganz besondere Erfahrung war, darüber sind sich die Helfer aus Vellmar ebenso einig, wie über einen weiteren Einsatz unter karibischer Sonne. 

Erdbeben im Jahr 2010

Die fast elf Millionen Einwohner des Inselstaates Haiti bezeichnen ihre Heimat selbst als Perle der Karibik. Klimatisch mag das stimmen, doch das verheerende Erdbeben von 2010 mit über 300 000 Toten und ebenso vielen Verletzten sowie einigen katastrophalen Hurrikans machten aus dem Paradies eine geschundene Insel, die heute von Elend, Armut und grenzenloser Korruption geprägt ist. Es gibt keine gesicherte Wasserversorgung, keine Müllabfuhr, keine Kanalisation und kein Gesundheitswesen. Trotz internationaler Hilfe ist Haiti heute das ärmste Land der westlichen Welt. Und das nicht zuletzt wegen der grenzenlosen Korruption in allen Lebensbereichen. 

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