In 500 Metern Höhe

Vellmarer sieht mit dem Gleitschirm die Kasseler Landschaft von oben

Kreis Kassel. Der 71-jährige Franz Kröger aus Vellmar verbringt seinen Ruhestand am liebsten mit einer ordentlichen Portion Adrenalin in 500 Metern Höhe - beim Gleitschirmfliegen.

Unvorstellbar, dass dieses Gestell aus ein paar Eisenstangen innerhalb von wenigen Minuten 500 Meter über der Erde schweben soll. Als der Motorschirm abhebt, fühlt es sich ein bisschen an, wie im Flugzeug – nur irrealer. Noch einmal tief einatmen und da ist es: das flaue Gefühl im Magen. Aber wenn die Welt plötzlich aussieht wie Lego, weicht das mulmige Gefühl blanker Faszination.

Zu den Rentnern, die auf der Bank sitzen und Enten füttern, gehört Franz Kröger ganz und gar nicht, er hat vor 30 Jahren das Gleitschirmfliegen für sich entdeckt. „Es ist ein unbeschreiblich erhabenes Gefühl, die Welt von oben anschauen zu können“, sagt Kröger.

Die faszinierenden Eindrücke, die er beim Fliegen gesammelt hat, wollte er bereits nach kurzer Zeit mit anderen teilen. Mit Kameras ausgestattet hebt der Rentner mehrmals in der Woche ab, schießt Luftbilder und dreht Videos. „Noch atemberaubender ist natürlich, als Passagier selbst mit durch die Luft zu fliegen“, sagt Kröger. 

Wer schwindelfrei und älter als zwölf Jahre ist, darf als Passagier im Doppelsitzer-Motorschirm mitfliegen und sich über Sprechfunk am Helm die beeindruckende Landschaft rund um Kassel erklären lassen. „In 500 Metern Höhe ist die Hektik des Alltags ganz weit weg“, sagt Kröger.

Franz Kröger hat HNA-Volontärin Daria Neu auf einen Flug über die Kasseler Landschaft mitgenommen.

Der Flugplatz, von dem Franz Kröger mit seinem Trike startet, liegt mitten in den Feldern von Edermünde-Grifte. Von dort aus kommt er schnell zu allen Sehenswürdigkeiten rund um Kassel – auf den Verkehr muss er schließlich nicht achten. Auch Hofgeismar schaut sich der 71-Jährige gern von oben an. 

„Ich habe Videos und Fotos von den Hessentagen 2015 und vom Dornröschenschloss gemacht. Auch an sich ist Hofgeismar von oben einfach ein idyllischer Anblick.“ Am liebsten fotografiere er Kirchtürme. „In jedem Ort entdeckt man einen und doch sehen sie so unterschiedlich aus“, sagt Kröger.

Fühlt sich in den Wolken zuhause: Franz Kröger aus Vellmar hat seine Leidenschaft vor knapp 30 Jahren im Motor- und Gleitschirmfliegen entdeckt. Auch Hofgeismar hat der 71-Jährige schon häufig von oben betrachtet und fotografiert.

Die zunehmende Nutzung von Drohnen sieht Kröger kritisch: „Das sind Maschinen, die den Flugverkehr behindern und unrechtmäßig Bilder machen. Es gibt schon einen Grund, warum Menschen für diese Disziplin einen Schein gemacht haben.“

Angst vorm Abstürzen kennt er nicht: „Der Motorgleitschirm ist eines der sichersten Fluggeräte, die es gibt.“ Sollte der Propeller mal ausfallen, gleitet der Schirm auch ohne Antrieb sicher zum Boden. Lediglich den Wind und die Thermik muss Kröger bei seinen Passagierflügen im Auge behalten: „Ganz schlimm ist Süd-Ost-Wind. Dann schaukelt das wie verrückt.“ 

Das Dornröschenschloss Sababurg wirkt ganz klein.

Wer einen nervösen Magen hat, sollte sich das einzigartige Erlebnis also nur bei guten Wetterverhältnissen vornehmen. „Meine Frau zum Beispiel würden keine zehn Pferde hier in die Luft bekommen“, sagt der Rentner und lacht. Mit seinen Freunden aus dem Flugverein in Grifte nutzt er selbst jede Gelegenheit, abzuheben. 

Rubriklistenbild: © Privat

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