Über 1000 Kilometer hat seine Route

Vellmarer Tüftler will mit selbst gebautem Solar-Katamaran nach Paris fahren

Vellmar. Über Weser, Rhein und Mosel bis zur Seine will der Vellmarer Bozidar Medved mit seinem Solar-Katamaran Paris erreichen. Das Boot baut der 72-Jährige dafür gerade selbst.

Die Zutaten hat er schon fast zusammen. Quadratmeterweise hat er bereits Alu-Blech geschnitten, gebogen und zu einem Katamaran zusammengeschweißt. Er hat den Antrieb schon fast fertig und weiß auch schon, wie er im Sommer sein 350 Kilogramm schweres Boot von seiner Werkstatt in Vellmar in die Fulda bei Kassel kriegt.

Kassel-Paris, die ganze Strecke über den Wasserweg – das ist Bozidar Medveds Plan. Doch fehlen dem gebürtigen Kroaten noch drei Solarpanels. Eines hat er schon. Aber um den E-Motor mit 1000 Watt Leistung (etwa 1,36 PS) auf Touren zu bringen, benötigt er noch drei weitere. Sie sollen später auf das Dach des Katamarans montiert werden.

Für sein Projekt hat er längst Heino Kirchhof aus Lohfelden gewinnen können. Kirchhof ist von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) und begeistert von der Idee, über 1000 Kilometer auf dem Wasserweg zurückzulegen – und das alles nur mit der Energie der Sonne. „Was Medved hier macht, ist genial“, sagt Kirchhof. „Es zeigt, wie Elektromobilität auch auf dem Wasser fantastisch funktionieren kann“.

Doch weil die DGS auch nur ein spendenabhängiger Verband ist, sucht Kirchhof nun nach Sponsoren, die die Finanzierung unter anderem der drei noch fehlenden Solarpanels sichern. Kirchhof ist der Meinung, dass Medveds Plan in jedem Fall gelingen muss.

Ein Zeichen setzen

Tatsächlich ist Medved ein Bastler und Tüftler ersten Ranges. Der heute 72-Jährige lebt seit 1982 in Vellmar. Dort hat sich der gelernte Maschinenbau-Ingenieur eine Werkhalle gekauft, in der er seit dem Wechsel in den Ruhestand nun seine schwimmenden Träume verwirklicht. Alles dort ist vollgestellt mit schweren Schneide-, Bor- und Walzmaschinen, mit Werkbänken und Material. Eine Biegemaschine hat er sogar selbst gebaut, um die Alubleche zu einem schlanken Katamaran-Rumpf formen zu können.

„Ich stamme aus Rijeka direkt an der Küste Nordkroatiens“, sagt Medved. Mit seinen Eltern sei er früher oft mit dem Boot draußen auf dem Meer gewesen. „Diese kleinen Holzschiffchen waren aber undicht. Im Grunde war ich immer nur dabei, um stets das Wasser rauszuschippen“, erinnert sich Medvet.

Vier dieser Solar-Panels reichen aus, um das Boot auf 4 bis 6 Kilometer pro Stunde zu beschleunigen. Heino Kirchhof (rechts) hilft bei der Beschaffung von Spendengeldern.

Zahlreiche Vorgänger

Das hat ihn bis heute nicht losgelassen. „Deshalb baue ich heute nur noch dichte Boote aus Aluminium“, sagt er. Und das mit Erfolg. Seinen ersten Katamaran hat er an einen Hann. Mündener Kiesgruben-Unternehmer verkauft. Sein zweites Boot, 2,5 Meter lang und 1,40 Meter breit, hat er bereits mehrfach in Kassel auf der Fulda inzwischen Finkenherd und der Staustufe Neue Mühle ausprobiert.

„Früher habe ich Benzinmotoren genutzt“, sagt Medved. „Krach und Gestank haben mich aber genervt. Mit Naturerlebnis auf dem Wasser hat das nichts mehr zu tun“. So baut Medved nur noch Boote für den „eher tiefenentspannten Wasserurlauber“. Klapp-stühle und Grill sollen mindestens auf seinen Katamaranen Platz finden. Das Boot, mit dem er im Sommer nach Paris will, ist gut sechs Meter lang und 2,40 Meter breit. „Da passt alles drauf“, sagt er.

16 300 Euro, so seine Kalkulation, kostet der ganze Spaß. Zwei Drittel davon will Medved selbst tragen, der Rest soll über Spenden reinkommen. Kirchhof hilft ihm dabei (Kontakt-Tel. 05608/4366). Schon am „Tag der Erde“ am vorvergangenen Sonntag in der Kasseler Nordstadt haben beide Medveds zweiten Prototypen vorgestellt und damit Werbung gemacht – für Solarenergie und E-Mobilität im Allgemeinen, und für das Kassel-Paris-Projekt im Besonderen.

Auch Medved ist längst überzeugt davon, dass PS-starke Beweglichkeit – egal, ob auf der Straße oder auf dem Wasser – der falsche Weg ist. Wenn wir die Energiewende schaffen wollen, müssen wir abspecken“. Das Projekt Kassel-Paris solle in dieser Hinsicht ein Zeichen setzten.

Rubriklistenbild: © Boris Naumann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.