Verein für Kindersport setzt auf Bewegungsförderung

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Robben macht Spaß: Lennart (5, vorn rechts) gehört zu den Besten in seinem Kurs. Der Verein für Kindersport in Vellmar (KISS) nutzt den natürlichen Bewegungsdrang von Kindern, um ihnen Freude am Sport zu vermitteln.

Vellmar. Der Verein für Kindersport in Vellmar nutzt seit sechs Jahren den natürlichen Bewegungsdrang von Kindern, um ihnen Freude am Sport zu vermitteln.

Lennart (5) robbt behände über die schmale Unterseite einer Bank. Marco, Jana, Jessica und Ryan schwingen an Tauen hin und her. Trainerin Anica Brede zeigt den Fünfjährigen, wie man sich mit Händen und Beinen fest um das Seil krallt, damit man nicht im Flug eine Bruchlandung hinlegt. Tarzan hätte wohl seine Freude an diesen Kindern.

Der Verein für Kindersport in Vellmar (KISS) nutzt seit sechs Jahren den natürlichen Bewegungsdrang von Kindern, um ihnen die Freude am Sport und gleichzeitig das motorische „Handwerkszeug“ zu vermitteln, das man braucht, egal für welche Sportart man sich später entscheidet. Koordination, Gleichgewichtssinn und das Gefühl für die Bewegung müssten bei Kindern als Erstes geschult werden, sagt Erik Weihrauch, Gründer und Vorsitzender des Vereins mit 90 Mitgliedern. „Es bringt beispielsweise nichts, einem Vierjährigen Volleyballspielen beibringen zu wollen. Das funktioniert schon aus neurologischen Gründen nicht“, sagt der gelernte Kunstturn-Trainer aus Hofgeismar. Eine zu frühe Spezialisierung auf eine Sportart könne bei Kindern schnell zu Frustration führen.

Wie Tarzan im Wald: Jessica schwingt von einer Bank zur anderen.

Heutzutage könnten viele Kinder ihren Bewegungsdrang nicht mehr unbeschwert im Freien ausleben, sie bewegten sich einfach zu wenig und säßen zu viel, erklärt Weihrauch. Die Zahl der Kinder, die bei der Einschulung Koordinationsprobleme hätten, sei in den letzten 20 Jahren stark gestiegen. Der Trainer setzt daher auf ein Konzept zur individuellen Bewegungsschulung für Vier- bis Zehnjährige.

Gezielte Förderung

Man habe sich die Forschungsergebnisse von Sportwissenschaftlern aus Baden-Württemberg als Vorbild genommen, sagt Weihrauch. Nicht mehr als sieben oder acht Kinder würden von einem Trainer betreut. Pro Kurs würden maximal 15 Kinder aufgenommen. Dadurch sei eine gezieltere Förderung als im Sportunterricht der Grundschule möglich.

Bei manchen Eltern müsse er Überzeugungsarbeit leisten, berichtet der Vereinsvorsitzende. „Es gibt Eltern, die nicht verstehen, dass ihre Kinder auch mal ohne Turnschuhe trainieren sollen“ sagt er.

Weihrauch verhehlt nicht, dass sein Konzept anfangs umstritten war. Hofgeismar und Immenhausen hätten damals anfangs Interesse gezeigt, seien dann aber abgesprungen.

Nur in Vellmar sei er auf offene Ohren gestoßen. Der OSC Vellmar habe das Projekt mit einer Anschubfinanzierung unterstützt. Dieser Verein überlässt KISS auch Trainingszeiten in der Obervellmarer Sporthalle.

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