Ex-Frau mit Schwert attackiert: 35-Jähriger vor dem Kasseler Landgericht

Der Tatort: In dieser Vellmarer Spielhalle an der B 7 drosch ein 35-Jähriger mit einem Baseballschläger auf seine Frau ein und steht nun wegen versuchten Totschlags vor Gericht. Foto: Wüstefeld

Vellmar/Kassel. Hämisch grinst der Mann auf der Anklagebank. Immer wieder blickt er zu seinen Kumpels im Publikum, als wolle er Beifall heischen. Dabei ist der 35-Jährige, wie er beteuert, eigentlich gar nicht stolz auf das, was er getan hat: Mehrfach hat er seine Ex-Frau nach der Trennung in Vellmar attackiert und geschlagen.

Und einmal sogar derart heftig, dass er sich seit Mittwoch wegen des Vorwurfs des versuchten Totschlags vor dem Kasseler Landgericht verantworten muss.

Bewaffnet mit einem Baseballschläger und einem Samuraischwert, war der Angeklagte eines Nachts im Mai 2013 in der Vellmarer Spielhalle B 7 aufgetaucht, wo seine damalige Noch-Gattin arbeitete. „Er kam reingeflogen“, erinnerte sich die 31-Jährige, „und schoss auf mich zu.“

Instinktiv habe sie sich einen Stuhl vor den Kopf gehalten, doch er habe sofort mit dem Knüppel zugeschlagen, rasend vor Wut. Erst auf den Stuhl, dann, als sie flüchten wollte, auf ihren Hinterkopf. Und als sie zu Boden gestürzt war, auch noch auf den Arm, den sie sich schützend vors Gesicht gehalten habe.

Weil eine Freundin eingriff, gelang es ihr jedoch, sich auf der Toilette einzuschließen. Über seinen Anwalt Axel Dohmann gestand der Angeklagte die Tat: Er bedauere sehr, was geschehen sei. „Ich kann mir vorstellen, dass nicht nur meine Ex-Frau, sondern auch die Zeugen Todesangst empfunden haben.“

Er sei frustriert gewesen, erklärte der Mann. Über die Trennung knapp ein Jahr zuvor, über den neuen Freund seiner langjährigen Ehefrau, über den Streit um die beiden gemeinsamen Kinder. Deshalb habe er sich mit Alkohol und Kokain zugedröhnt. Bis ihm „die Sicherung durchgebrannt“ sei. Leider.

Im vergangenen Jahr war die zunächst als gefährliche Körperverletzung eingestufte Tat schon einmal vor dem Amtsgericht verhandelt worden. Doch weil sich dabei Hinweise ergaben, dass der Angeklagte auch mit dem Samuraischwert auf seine Ex-Gattin losgegangen sein könnte, wurde der Fall ans Landgericht abgegeben: Für versuchten Totschlag ist die Schwurgerichtskammer zuständig.

Der 35-Jährige aber blieb auch jetzt bei dem, was er damals gesagt hatte: Das Schwert habe er nur als Drohmittel mitgenommen. Und auch sein Opfer hat von Stichversuchen nichts bemerkt. Dafür berichtete die Frau ausführlich von einer Ehe, in der Schläge an der Tagesordnung gewesen seien. Und das schon kurz nach der Hochzeit.

„Entschuldigt hat er sich dafür nie“, sagte sie. Und ihr Ex-Mann grinste. Zwei weitere mutmaßliche Angriffe aus der Zeit nach der Trennung werden ihm noch zur Last gelegt. Einen davon räumte der Angeklagte ein. Den anderen, behauptete er, habe seine Ehemalige frei erfunden. Um ihm die Kinder vorenthalten zu können.

Der Prozess wird fortgesetzt. 

Von Joachim F. Tornau

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