Für WM-Teilnahme fehlt Geld

Vizeweltmeisterin aus Vellmar: Natalie Deibl tanzt erfolgreich Line Dance

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Tanzt Line Dance seitdem sie 17 ist: die heute 25-jährige Natalie Deibl aus Vellmar.

Vellmar. Die 25-Jährige war bereits Deutsche Meisterin, Vizeeuropameisterin und Vizeweltmeisterin. Für die diesjährige WM-Teilnahme fehlt ihr jedoch das Geld.

Es ist kurz vor 10 Uhr, Natalie Deibl wartet bereits im Kasseler Stadtcafé. Sie trinkt Chai Latte. Und sie sagt, dass sie grundsätzlich zu früh sei, ein durchstrukturierter Mensch eben. Das helfe ihr, im Studium, aber auch sonst im Leben.

Struktur, Disziplin – sind das Voraussetzungen für gutes, erfolgreiches Tanzen? Auch, sagt Deibl. „Wenn man nicht am Ball bleiben will, kann man nichts erreichen.“

Teure Turniere

Die 25-jährige Vellmarerin hat bereits vieles erreicht. Sie war Deutsche Meisterin, Vizeeuropameisterin und wurde bei der vergangenen WM in Tschechien Vizeweltmeisterin im Line Dance. Im niederländischen Veldhoven findet gerade die Weltmeisterschaft des WCDF-Verbands (World Country Dance Federation) statt – ohne Natalie Deibl. Der Weltmeistertitel ist erst einmal aufgeschoben.

Zu teuer sei das alles, allein die Teilnahme koste zwischen 100 und 150 Euro, dazu die Anfahrt, Hotelkosten. Sponsoren habe sie keine, zu unbekannt sei ihre Tanzform, gerade als Turniersport. Außerdem stehe sie zur Zeit tagsüber zumeist im Labor. Deibl studiert Chemie und Biologie auf Lehramt.

Vielfältiges Line Dance: Auf Turnieren tanzt Natalie Deibl verschiedene Tänze. Im linken Bild „Funky“, im rechten Bild „Walzer“.

Tanzen im Reiturlaub

Zum ersten Kontakt mit Line Dance kam es für die damals 17-Jährige im Reiturlaub. Die Besitzerin des Reiterhofs tanzte selbst, nahm sie mit zu einer Tanzgruppe. Nach dem Urlaub besuchte Deibl das erste Mal die „Friends 4 Westerndance“ in Kassel – mit Cowboystiefeln. Die Stiefel wichen Tanzschuhen, die Begeisterung blieb.

Gerade die Vielfältigkeit ist es, die Natalie Deibl an ihrer Tanzform reizt, denn Line Dance kann auch modern sein, es hat nicht nur klassische Elemente wie Walzer und Polka, sondern auch populäre, wie Hip Hop und Break Dance (siehe Hintergrund). Bis heute ist Deibl ihrem ersten Trainer Dennis Ryczak dankbar, der ihr zeigte, dass Line Dance mehr ist als ein Western-Klischee. „Ich lebe in drei Welten, was Line Dance angeht“, sagt die 25-Jährige. Mit anderen tanze sie zu Country, aber auch zu moderner Musik. Dazu kommen die Turniere, wo alles ausgefeilter sein müsse, die Bewegungen ausladender, mit viel Armeinsatz.

Das Tanzen genießen könne sie auch dann, wenn Technik, Fußposition, Haltung und die Interpretation des Tanzes bewertet, ja sogar auf die Kleidung geachtet wird. Dann, wenn der Konkurrenzdruck spürbar sei und sie wieder und wieder sehe, dass die anderen professionelle Trainer haben. Deibl trainiert sich selbst, in den Gaststätten, in denen sie sonst mit den „Friends 4 Westerndance“ tanzt. Dort muss sie fragen, ob ein Raum für sie frei ist.

Vielfältiges Line Dance: Auf Turnieren tanzt Natalie Deibl verschiedene Tänze. Im linken Bild „Funky“, im rechten Bild „Walzer“.

Eine Tänzerin braucht Spiegel

Natalie Deibl ist es wichtig, dass andere von ihrem Sport erfahren. Beim TSV Ihringshausen leitet die sie einen Kurs für jedermann, für die Zukunft würde sie sich eine Kindergruppe wünschen.

Auch sagt sie, dass neben einem Sponsor für die nächste Weltmeisterschaft ein eigener Raum zum Trainieren nicht schlecht wäre – mit Holzboden und mit Spiegeln an den Wänden.

Hintergrund: Das ist Line Dance

Die Wurzeln des Line Dance liegen in den USA – weshalb die Tanzform wohl auch in erster Linie mit Countrymusik in Verbindung gebracht wird. Ursprünglich ist Line Dance ein Gruppentanz, bei dem die Tänzer in Linien und Reihen nebeneinander tanzen. Jedoch sind auch Paartänze und Soli möglich. Bei Turnieren gibt es mehrere Schwierigkeitsklassen, in denen Tänzer gegeneinander antreten. Auch wird das Feld in Altersgruppen unterteilt. Ihre Erfolge feierte Natalie Deibl im Line-Classic, bei dem alleine, also ohne Partner, neben den Konkurrenten auf der Tanzfläche getanzt wird. Dabei gibt es fünf übergeordnete Tanzgattungen, die sogenannten Motions (Rise & Fall, Lilt, Smooth, Cuban und Funky), denen einzelne Tänze zugeordnet sind (z.B. Lilt: East Coast Swing, Polka, Samba). Auf Turnieren wird aus allen fünf Motions getanzt, dazu kommt ein zusätzlicher Tanz, der sogenannte Novelty. Den Tänzerinnen und Tänzern bleiben nur wenige Minuten zwischen ihren einzelnen Darbietungen.

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