Sechs Millionen Fahrgäste seit 2011 

Vor fünf Jahren fuhr erste Tram nach Vellmar

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Hatten zur Eröffnung der Trasse ihren Spaß: Der damalige Bürgermeister Dirk Stochla (links) und KVG-Vorstand Dr. Thorsten Ebert bei der symbolischen Testfahrt in einer Draisine.

Vellmar / Kassel. Heute vor fünf Jahren ist die Straßenbahntrasse von Kassel nach Vellmar feierlich eröffnet worden. Sechs Millionen Fahrgäste haben seit der Jungfernfahrt die verlängerte Linie 1 zwischen Kassel-Wilhelmshöhe und Vellmar-Nord genutzt.

„Die Tram in Vellmar ist ein Erfolgsmodell“, sagt Vellmars Bürgermeister Manfred Ludewig (SPD). Trotz anfänglicher Skepsis bei einigen Anwohnern sei die Bahn in der 19 000-Einwohner-Stadt nördlich von Kassel nicht nur im wahrsten Wortsinn längst angekommen, „sie wird auch von den Bürgern angenommen“.

Jungfernfahrt: Am 22. Oktober 2011 rollte die erste offizielle Straßenbahn der Linie 1 nach Vellmar, hier an der Haltestelle Stadtmitte. Am Streckenrand begrüßten tausende Menschen die festlich geschmückte Tram. 

Das bestätigen die Statistiken der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG), die Betreiberin der Straßenbahnlinie ist. Demnach ist zwischen den Jahren 2010/11 und 2014/15 die Zahl der Fahrkarten-Abonnements in Vellmar um 25 Prozent gestiegen. „Die Frage, ob es sinnvoll war, die Tram zu verlängern, stellt sich heute nicht mehr“, sagt KVG-Vorstand Dr. Thorsten Ebert. „Aus Sicht des Fahrgastzuspruchs und des technischen und betrieblichen Ablaufs sind wir sehr zufrieden.“ Die fast 38 Millionen Euro teure Streckenerweiterung bis in den Norden Vellmars habe sich also gelohnt.

Bürgermeister Ludewig freut sich am meisten darüber, dass die anfänglichen Befürchtungen, die Linie 1 werde sich in Vellmar zu einer „Einbahnlinie“ entwickeln, nicht bestätigt haben. „Auch viele Menschen aus Kassel nutzen die Tram, um nach Vellmar zu fahren“, sagt er und nennt als Beispiel den hohen Zuspruch beim Kombiticket für alle Kulturveranstaltungen im Piazza und für die Veranstaltungsreihe Sommer im Park.

Maßgeblich die Tramanbindung mit auf den Weg gebracht haben seine Vorgänger, betont Ludewig. So habe der damalige SPD-Bürgermeister Kurt Stückrath schon seit dem Jahr 2001 die Idee und die ersten Planungen zu der Straßenbahnverlängerung unterstützt. Dirk Stochla (SPD), der die Tram nach Vellmar einst als „Jahrhundertwerk“ bezeichnete, begleitete dann während seiner Amtszeit (2002 bis 2014) die Detailplanung bis zur Fertigstellung.

Hatten zur Eröffnung der Trasse ihren Spaß: Der damalige Bürgermeister Dirk Stochla (links) und KVG-Vorstand Dr. Thorsten Ebert bei der symbolischen Testfahrt in einer Draisine.

Mit der Tram verschwand in Vellmar zwar die Buslinie 45. Negative Auswirkungen auf den sonstigen Busverkehr im Stadtgebiet hätten sich mit Blick auf die Fahrscheinverkäufe durch die Straßenbahnerweiterung jedoch nicht ergeben, teilte Armin Noll, Sprecher des Nordhessischen Verkehrs-Verbundes auf Anfrage mit. Zahlen nannte er nicht.

Fünf Jahre nach der Trassenöffnung Richtung Norden steht auf der Linie 1 demnächst übrigens eine weitere Neuerung an. Mit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember will die KVG statt Doppeltraktion-Bahnen testweise Anhängerwaggons mit 70 Sitz- und Stehplätzen einsetzen.

Die Tram in Zahlen: 

Nach zwei Jahren Bauzeit ist der erweiterte Streckenabschnitt der Tramlinie 1 bis nach Vellmar am 22. Oktober 2011 für den regulären Betrieb freigegeben worden. Die Straßenbahn in Zahlen:

1,5 Kilometer der Strecke zwischen der ehemaligen Endhaltestelle Holländische Straße und der neuen Haltestelle Dörnbergstraße fährt die Linie 1 im Linksverkehr – für die Tramfahrer eine besondere Herausforderung.

4,1 Kilometer lang ist die neue Trasse. Von Wilhelmshöhe (Park) bis zur Endhaltestelle Vellmar-Nord legt die Linie 1 nun insgesamt 13 Kilometer zurück.

7,5 Prozent Steigung überwindet die Tram zwischen der Abzweigung von der Bundesstraße 7 und der Haltestelle Dörnbergstraße. Laut KVG ist dieser Abschnitt der zweitsteilste im gesamten Netz. Lediglich die Linie 8 hat es zwischen Teichstraße und Kirche Kirchditmold (7,9 Prozent) noch schwerer.

8 Haltestellen befinden sich auf dem neuen Streckenabschnitt. Davon befinden sich sieben im Vellmarer Stadtgebiet (siehe unten).

29 Millionen Euro sollte die Streckenerweiterung ursprünglich kosten. Tatsächlich war der Trassenbau wesentlich teurer: 37,7 Mio. Euro. Den Löwenanteil von fast 29 Mio. Euro übernahm das Land Hessen. KVG und Stadt Vellmar beteiligten sich mit jeweils rund vier Mio. Euro an den Baukosten.

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