Lebendiger Advent

Gläubige aus Niedervellmar besuchten Flüchtlinge in altem Hotel

Haben Spaß am weihnachtlichen Singen: die Flüchtlingskinder Slavica und Daniel, die hier von Birgit Preuß unterstützt werden. Mehr als 30 Flüchtlinge wohnen in dem ehemaligen Hotel nahe der Bundesstraße 7. Foto: Wüstefeld

Vellmar. Melodie und Text gefallen offensichtlich nicht nur Kindern: Das Lied „In der Weihnachtsbäckerei" ist der diesjährige Hit beim Lebendigen Advent in Niedervellmar.

Der wird seit vier Jahren von der dortigen evangelischen Kirchengemeinde organisiert, jeden Abend im Advent treffen sich ein paar der Gemeindemitglieder vor einer anderen Tür, um gemeinsam die besinnliche Zeit vor Weihnachten zu verbringen. Dann werden Lieder gesungen, Plätzchen gegessen und Glühwein getrunken.

Gebäude gehört Flüchtling 

So auch jetzt in dem ehemaligen Hotel Rosengarten: Dort sind seit etwas mehr als einem Jahr Flüchtlinge untergebracht, die Räumlichkeiten waren dieses Jahr zum ersten Mal Anlaufstelle der Gemeindemitglieder. Das ehemalige Hotel samt Gelände gehört ebenfalls einem Flüchtling, der schon vor 21 Jahren nach Deutschland kam und in Südhessen mittlerweile zwei Tankstellen betreibt. „Wir wollen so auf die Menschen, die aus den unterschiedlichsten Ländern hierherkommen, zugehen“, begründet Horst Schönewolf vom Kirchenvorstand die Idee, gemeinsam mit den Flüchtlingen einen Teil der Adventszeit zu verbringen.

Vor allem die Kinder unter den gut zehn Flüchtlingen, die mit den Gemeindemitgliedern Früchtetee tranken und Kekse naschten, gefiel das: „Noch ein Lied, noch ein Lied“, klang es aus den Ecken des ehemaligen Saals. Und so wurden statt der üblichen zwei bis drei Lieder gleich fünf gesungen. Alle konnten jedoch nicht mitsingen: Vor allem die erst kürzlich eingetroffenen Flüchtlinge müssen erst noch Deutsch lernen.

Um sich im Alltag gut verständigen zu können, setzt der 57-jährige Hausleiter Uwe Förster auf verschiedene Methoden: „Einige der Somalier können zum Beispiel gut Englisch“, erklärt er den wissbegierigen Gemeindemitgliedern, „ansonsten habe ich hier zwei junge Männer, die schon seit mehr als einem Jahr in Deutschland sind und als Übersetzer fungieren.“ Doch auch, wenn es mit der Sprache noch nicht immer klappt: Spaß hatten sowohl die Flüchtlinge als auch die Gemeindemitglieder samt Pfarrer Thomas Vogt: „Es sind solch kleine Gesten wie diese Zusammenkunft, die ein Lächeln erzeugen.“ Und die den Menschen, unter anderem aus Somalia, Afghanistan und Albanien, die christlich geprägte Weihnacht näherbringen: „Die kennen dieses Fest so nicht“, erklärt Hausleiter Förster.

Von Constanze Wüstefeld 

Der Lebendige Advent in Vellmar geht noch bis zum 21. Dezember. Wer an den verbleibenden Tagen Gastgeber ist, steht unter http://zu.hna.de/advent20

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