Lebendes Fossil im Kirchgarten

Wilhelmshausen: Urweltmammutbaum aus China war ausgestorben 

Fuldatal/Vellmar/Ahnatal. In voller Blüte steht er da: Der Urweltmammutbaum an der Marienbasilika in Wilhelmshausen.

Imposant: Der 20 Meter hohe Baum steht seit etwa 55 Jahren an der Marienbasilika.

Sein Stamm ragt 20 Meter in den Himmel, seine hellgrünen Nadeln sind in Form einer Feder angeordnet. Was bis vor wenigen Wochen niemand wusste: Die imposante Baumart war einst ausgestorben, die Wiederentdeckung in China eine botanische Überraschung.

Junge chinesische Musiker machten Dieter Krausbauer jetzt auf die faszinierende Geschichte aufmerksam, während sie bei der Musikschule Chroma in Vellmar zu Gast waren. Sie entdeckten den Baum im Garten als sie zur Marienbasilika fuhren, um in der Kirche aufzutreten.

Krausbauer, der Vorsitzender des Fördervereins Marienbasilika Wilhelmshausen ist, stellte Nachforschungen an. Ihn beschäftigte die Frage, wer den Baum im Kirchgarten gepflanzt hat. Die Antwort ist: Armin Roth. „Er hat den Urweltmammutbaum in den 1960er-Jahren an die Grabstelle seines Vaters gepflanzt“, erzählt Krausbauer. Wie der inzwischen verstorbene Landwirt an den Baum kam, habe keiner seiner Nachkommen sagen können.

Der Totenhof hinter der Marienbasilika wurde später aufgelöst und zum Kirchgarten mit Rasen und Bäumen umgestaltet. Bereits seit 1906 befindet sich der Friedhof nun an der Straße Am Rehwinkel.

Bis 1942 belegten lediglich Fossilienfunde, dass es den Urweltmammutbaum einst gegeben hat. In dem Jahr wurden Bäume der verloren geglaubten Gattung in einer unzugänglichen Bergregion in China entdeckt.

Heute kann der Urweltmammutbaum, der auch als Chinesisches Rotholz oder Wassertanne bekannt ist, über spezielle Baumschulen bezogen werden. „Er wird aber nicht viel gepflanzt, weil er so hoch wird“, sagt Frank Döring von der Baumschule Döring in Ahnatal auf Nachfrage. Man finde ihn vor allem in Parks, da er für private Gärten nicht geeignet ist.

Das Chinesische Rotholz wird 30 bis 35 Meter hoch, manchmal erreicht es auch eine Höhe von 50 Metern. Es ist nicht zu verwechseln mit dem Riesenmammutbaum, der zusammen mit einer kanadischen Hemlocktanne und weiteren Nadelbäumen, den „Niester Riesen“, am Premiumwanderweg P11 im Laubwald bei Nieste zu finden ist. Vermutlich wurden die Bäume gegen Ende des 18. Jahrhunderts gepflanzt, als der Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel um zahlreiche exotische Bäume bereichert wurde.

Rubriklistenbild: © Wienecke

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