Serie: Ausbildung im Handwerk

Zahntechniker aus Vellmar arbeitet mit Bohrer und Bunsenbrenner

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Braucht Fingerspitzengefühl: Eddy Reyes Bracker macht eine Ausbildung zum Zahntechniker bei der Firma von Walter Pflüger (rechts) in Vellmar. Er modelliert Unterkiefer- und Oberkiefer-Prothesen und arbeitet dabei mit unterschiedlichen Materialien. 

Vellmar. Bei dem Beruf des Zahntechnikers handelt es sich um eine ganz besonderes Handwerk. Denn laut Dentaltechniker Walter Pflüger aus Vellmar gibt es keinen anderen Bereich, in dem mit so vielen verschiedenen Materialien und Werkstoffen gearbeitet wird.

Edelmetalle, Keramik, Kunststoff und Wachs – die vielfältige Arbeit im Labor fasziniert auch Eddy Rayes Braker jeden Tag aufs Neue.

Der 27-Jährige ist im dritten Ausbildungsjahr zum Zahntechniker und hat schon zahlreichen Patienten rund um Kassel den passenden Zahnersatz modelliert. „Man braucht schon handwerkliches Geschick, wenn man mit so etwas Filigranem wie Zähnen arbeitet“, sagt der Azubi. Den sicheren Umgang mit Fräsen, Bohrern und Bunsenbrennern hat er sich im Laufe der Zeit angeeignet. 

„Zahnersatz kann nicht serienmäßig, sondern muss von Menschenhand gefertigt werden“, sagt Pflüger. Jedes Gebiss sei einzigartig und das Empfinden beim Kauen individuell. Bei der Zahntechnik kommt es manchmal auf Tausendstelmillimeter an.

Im Labor in Vellmar bekommen die sechs Mitarbeiter Aufträge von den umliegenden Zahnärzten, die erst als Wachsmodell zum Anprobieren gefertigt und anschließend aus Kunststoff hergestellt werden. „Da braucht man echt Fingerspitzengefühl und Konzentration“, sagt Bracker.

„Ein Ausgleich ist bei diesem Handwerk sehr wichtig. Die ganze Zeit sitzt man mit gebäugtem Rücken an seiner Werkbank – da sollte man zuhause auf jeden Fall ausreichend Sport machen“, so der Azubi. Manchmal kommen auch die Patienten selbst mit ihrem Zahnersatz ins Labor, um eine Kleinigkeit reparieren zu lassen. „Wichtig ist vor allem, dass die Farbe stimmt, denn Weiß ist nicht immer gleich Weiß“, sagt Eddy. Mit einem Farbschlüssel unterscheiden Zahntechniker zwischen 16 verschiedenen Weiß-Tönen.

Der ästhetische Aspekt hat laut Walter Pflüger in den letzten Jahren erheblich zugenommen: „Wir müssen schon zügig und genau gleichzeitig arbeiten. Die Patienten wollen ihren Zahnersatz verständlicherweise so schnell und so passend wie möglich.“

Aber nicht nur was das Aussehen betrifft, hat ein intaktes Gebiss große Priorität.

Durch fehlende Zähne kommt es laut Pflüger zur Störung der Kau-funktion, zu Schäden am Zahnhalteapparat und an den Kiefergelenken. Gesunde Zähne wirken sich also positiv auf den gesamten Körper aus.

Hintergrund: 

Neben Farb- und Formsinn sowie technischem Geschick muss sich ein Zahntechniker in seiner Ausbildung auch ein hohes Maß an theoretischem Wissen aneignen. Die praktische Ausbildung findet im zahntechnischen Labor statt und wird durch Fortbildung und durch Berufsschulunterricht ergänzt. Profis in der Zahntechnik sind keine Grenzen gesetzt. Sie können sich auf bestimmte Fachbereiche spezialisieren. Insgesamt dauert die Lehre dreieinhalb Jahre. Zurzeit gibt es im Kreis Kassel 29 Auszubildende und 16 Betriebe, die eine Lehre anbieten. 

Vergütung (Brutto): 

1. Lehrjahr: 525 Euro
2. Lehrjahr: 635 Euro
3. Lehrjahr: 715 Euro
4. Lehrjahr: 760 Euro

Noch bis 11. August können sich regionale Betriebe und Azubis aus dem HNA-Verbreitungsgebiet für den Ausbildungspreis 2017 bewerben. Ziel der Auszeichnung ist es, pfiffige Ideen und besondere Initiativen zu würdigen. 

Bewerbungen per E-Mail an ausbildungspreis@hna.de, per Post an: Ausbildungspreis 2017, HNA-Chefredaktion, z. H. Jan Schlüter, Frankfurter Straße 168, 34121 Kassel. 

Mehr Infos unter: http://zu.hna.de/azubi17

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