Erinnerung an seinen verstorbenen Sohn

Vellmarer Joachim Radigk hat Buch geschrieben

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Etwas soll bleiben: Nach dem Tod seines Sohnes Jonas hat Joachim Radigk dessen Lebensgeschichte aufgeschrieben.

Vellmar. „Jonas - Vierzehneinhalb Jahre und elf Wochen“ steht auf dem Titel des Buches. Joachim Radigk hat es geschrieben. Es ist die Lebensgeschichte seines Sohnes, der am 31. Mai 2011 im Alter von vierzehneinhalb Jahren gestorben ist.

„Na, Jonas, fall mir nicht um“, sagt Joachim Radigk augenzwinkernd und rückt ein Bild seines Sohnes auf der Kommode zurecht. Ruhig schaut er das Foto an, bevor er zu dem Buch greift, dass vor ihm auf dem Tisch liegt. „Wenn ich an Jonas denke, dann habe ich oft eine ganz bestimmte Situation im Kopf: Wie ich ihn im Arm halte und er sich voller Freude bewegt und lacht, Lebensfreude pur“, erinnert sich der 52-jährige verheiratete Jurist aus Vellmar. Diese Lebensfreude war Jonas zu eigen, auch wenn er kein leichtes Schicksal hatte. Seine Mutter litt an Depressionen und nahm sich das Leben, als sie im achten Monat schwanger war. Jonas überlebte den Suizid schwerbehindert, körperlich wie geistig.

„Ich möchte, dass etwas von ihm bleibt“, erklärt Radigk. „Und ich möchte darauf aufmerksam machen: Da war ein behindertes Kind, das bei allen Beeinträchtigungen in seiner Welt meist glücklich und zufrieden war. Jonas war absolut liebenswert und hat mir unglaublich viel gegeben.“

Am Anfang des Buches steht ein Zitat von Jonas’ Kinderärztin. „Er hat ja nun mit vielen Einschränkungen sein irdisches Dasein zubringen müssen und hatte trotzdem die strahlendsten und schönsten sprechenden Augen, die ich je erlebt habe.“ Beide Aspekte, das Schwere und das Schöne, begleiten den Leser durch die Lektüre.

„Mit großer Ehrlichkeit beschreibt Radigk die dunklen Seiten: Die Erkrankung seiner ersten Ehefrau, die mit dem Suizid endet; die Belastungen durch die Versorgung eines schwerbehinderten Kindes; Jonas’ Einzug in die Villa Kunterbunt, einer Behinderteneinrichtung der Baunataler Diakonie in Hofgeismar; die vielen Erkrankungen und Operationen, die sein Sohn erleiden musste; und den Tod von Jonas, der dem Vater den Boden unter den Füßen wegzog. Für elf Wochen begab er sich damals zur stationären Behandlung in eine psychosomatische Klinik. „Allein hätte ich es nicht geschafft.“

Gleichzeitig erzählt das Buch von der großen Kraft, mit der Menschen ihr Schicksal meistern. Es erzählt von einem Jungen, der all seiner Handicaps zum Trotz ein „echter Sonnenschein“ war. Jonas konnte herzhaft lachen, manchmal auch über die Missgeschicke anderer. Er liebte Schokolade und Musik. Er genoss die Stunden in der Schule. „Er strahlte eine unschuldige Leichtigkeit aus“, sagt Radigk.

Kurz nach dem Tod seines Sohnes begann er, das Buch zu schreiben, um Jonas ein Denkmal zu setzen. Das Schreiben hat ihm geholfen, den Verlust zu ertragen. „Bei aller Belastung und Tragik: Mit Jonas gab es auch viel Freude und ganz großes Glück.“

Info: „Jonas - Vierzehneinhalb Jahre und elf Wochen“ von Joachim Radigk, im Verlag des Biographiezentrums, ISBN: 978-3-940210-65-4, 14,80 Euro.

Von Meike Schilling

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