Hilferuf an Minister Dobrindt

Vellmarer prangert Verhalten von Lkw-Fahrern auf Autobahn 7 an

+
Schlangen von Lkw: Gert Langbein aus Vellmar auf der Brücke zum neuen Gewerbegebiet Sanderhäuser Berg über der Autobahn 7. Auf der mehrspurigen Fahrbahn Richtung Süden (links) gilt für Lastwagen ab der Landesgrenze Überholverbot. Foto: Schräer

Niestetal. „Immer wieder kracht es, immer wieder kommen Menschen zu Schaden", sagt Gert Langbein aus Vellmar. Der 56-Jährige steht auf der Brücke über die A 7 am Service-Center von SMA. Auf der Autobahn ist der Angestellte täglich unterwegs. Sein Eindruck: „Hier spielen sich dramatische, fast kriegerische Szenen unter den Lkw-Fahrern ab."

Dies hat der Vater zweier erwachsener Töchter - „die sind beide auch mit dem Auto unterwegs“ - Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) geschrieben. Anlass für den Brief war der tödliche Lkw-Unfall auf der A 7 bei Hedemünden Anfang Juni. Dort hatte ein Sattelzug die Mittelleitplanke durchbrochen und war umgestürzt, ein entgegenkommender Lastwagen krachte hinein, der Fahrer starb.

Er habe zunehmend Angst, die Autobahn zu befahren, nachdem er auch gesehen habe, „was sich nachts abspielt mit den Lkw“. Über die Situation werde auch im Kollegenkreis gesprochen. Und immer schwinge die Frage mit, „wann bist du mal dran?“

Langbein geht es nicht nur um die gefahrene zu hohe Geschwindigkeit von Brummis, „sondern um die Disziplin der Lkw-Fahrer“. Das Überholen im Überholverbot, das plötzliche Ausscheren, bei dem der nachfolgende schnellere Pkw-Verkehr gefährdet werde. Und „ausländische Lastzüge genießen hier scheinbar Immunität“.

Ein paar Schilder aufstellen, helfe nicht weiter. Daher fordert der Vellmarer auch im Namen seiner Kollegen „lückenlose Kontrollen von Geschwindigkeit und Überholverbot zwischen den Dreiecken Drammetal und Hattenbach“. Rücksichtslose Fahrer müssten durch permanente Polizeipräsenz „sofort bestraft werden“.

Klar brauche man die Lastwagen, „sie liefern die Waren“. Dennoch findet Langbein die Entwicklung bedenklich. Die A 7 als Transitstrecke zwischen Skandinavien und Südeuropa, „da müsste mehr Güterverkehr auf die Schiene“, sagt Langbein. Er habe aber den Eindruck: „Der Zug ist abgefahren.“

Stattdessen beteilige sich die Bahn daran, auch mehr Menschen per Fernlinienbusse auf der Straße zu transportieren. Dafür fehle ihm das Verständnis, sagt der Vellmarer. Und: „Da wird eine weitere Rennfahrer-Liga zugelassen.“

Über die Situation auf der A 7 sollte sich Dobrindt vor Ort ein Bild machen „und sich kümmern“. Die Lösung des Problems zur Chefsache erklären. Darum bittet Gert Langbein auch in seinem Brief.

Glaubt er, dass sein Vorstoß in Berlin etwas bewirkt? „Ich rechne mit einer Antwort des Ministers, aber mit einer dürftigen. Der wird wohl nicht schreiben: Herr Langbein ganz toll“, meint der Familienvater.

Von Michael Schräer 

Das sagt das Ministerium

Die Kritik und die damit verbundenen Fragen richteten sich genau genommen an „die Straßenbehörde in Hessen, die ist unmittelbar zuständig“, sagt Stefan Ewert, ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums in Berlin. Auch eine stärkere Polizeipräsenz könne man nicht aus Berlin steuern, dies sei Ländersache.

Die A 7 sei eine wichtige Transitstrecke. Zwar gehe die von Minister Dobrindt vorgestellte Verkehrsprognose 2030 von 39 Prozent höherem Lkw-Verkehr aus, was dies für Autobahnen bedeute, müsse aber noch geklärt werden. Es gebe aber das Bestreben, mehr Güterverkehr auf Schiene und Wasserstraßen zu verlagern.

Minister Dobrindt werde Gert Langbein in einem Brief antworten, dies „dauert aber noch ein paar Tage“, sagt Sprecher Ewert. (mic)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.