Exkursion: Eisenbahnfreunde auf Spurensuche in Guntershausen

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Einst und jetzt: Dr. Klaus-Peter Lorenz (links)machte mit seiner Gruppe am Bahnhof Guntershausen (im Hintergrund) Station. Er verteilte Bildkopien, auf denen zu sehen war, wie schön das Gebäude früher war.

Baunatal. Volkmar Ciepluch aus Guntershausen schaut wehmütig auf das wuchtige verlassene Eisenbahner-Mietshaus, die frühere Stellmeisterei und die leeren Gebäude der ehemaligen chemischen Fabrik Dr. Krüger und Sommerfeld mit dem hohen Schornstein nahe dem Schienenstrang.

Früher, als sein Großvater Bruno als Bundesbahnbeamter Dienst tat, herrschte hier geschäftiges Treiben. Volkmar Ciepluch schaute von Großvaters Garten aus den vorbeirauschenden Güterzügen nach. „Die Bahn lässt das hier alles verfallen“, sagt der Guntershäuser mit Bitterkeit in der Stimme.

Ciepluch gehörte zu den Eisenbahnfreunden, die mit Dr. Klaus-Peter Lorenz von der Volkshochschule Region Kassel (Vhs) am Wochenende anlässlich des 160-jährigen Bestehens der Main-Weser-Bahn den Spuren des verblassten Glanzes und der Blütezeit des einstigen Eisenbahnknotenpunkts Guntershausen im vorvergangenen Jahrhundert nachspürten. Zuvor hatte Dr. Lutz Münzer vor 50 Besuchern einen Vortrag über die Geschichte der Bahn gehalten.

Nur noch Geschichte: Volkmar Ciepluch vor dem Eisenbahnerhaus (links) und der chemischen Fabrik (rechts).

Lorenz erzählte seinen Zuhörern von der prächtigen Eröffnung des Bahnhofs Guntershausen, bei der Schulkinder ein Ständchen sangen, von seiner schönen Architektur, den beiden Wartesälen, der „Giftbude“, in der die Eisenbahner gern ein Schnäpschen kippten, und von den vielen –heute längst eingestellten Serviceangeboten wie Post und Expressgutabfertigung, die den Dorfbewohnern so manche Annehmlichkeit beschert hätten. Mittlerweile ist der markante Turm des Bahnhofs weg, das Gebäude an einen Privatmann verkauft. Von Glanz keine Spur mehr.

Einst bescherte die Bahn Guntershausen einen gewaltigen Aufschwung. Die Bevölkerung sei von rund 200 auf 1000 Einwohner gewachsen, erzählte Lorenz. Das Beherbergungsgewerbe blühte auf. Das ist längst Vergangenheit. Das Gebäude des ehemaligen Hotels Bellevue, das sich die Eisenbahnfreunde anschauten, ist – nach mehrfachem Besitzerwechsel – heute eine Senioreneinrichtung, das Marie-Behre-Heim.

Während der Exkursion tauschten die Teilnehmer viele Geschichten und alte Fotos aus. Der Rentner Volker Rüdiger aus Ahnatal, der in Guntershausen aufgewachsen ist, erzählt von dem ersten großen Güterzugunglück auf dem Viadukt, als Waggons ins Dorf hinabstürzten. Da hätten sich einige Dorfbewohner aus der heil gebliebenen Ladung bedient.

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