Vertrag mit Bima unterzeichnet

Verein übernimmt D-Mark-Museum

Exponat im Museum: Eine der Holzkisten, in denen 1948 D-Mark-Scheine, die in den USA gedruckt worden waren, nach Deutschland transportiert wurden. Deren Inhalt war mit „Door knob“ (Türknauf) angegeben. Fotos: Schräer

Fuldatal. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) hat das Haus Posen der ehemaligen Fritz-Erler-Kaserne in Rothwesten dem Museumsverein Währungsreform 1948 für einen symbolischen Betrag von einem Euro übereignet.

Im Haus wurde jetzt ein entsprechender Vertrag an jenem Tisch unterzeichnet, an dem 1948 Finanzexperten unter amerikanischer Führung die Währungsreform in den westlichen Besatzungszonen vorbereiteten. Das Konklave fand unter strenger Geheimhaltung statt.

Das Gebäude, das unter Denkmalschutz steht, gilt als Wiege der D-Mark. Diesen historischen Ort will der Verein erhalten sowie das Museum fortführen und ausbauen, das an jenes Ereignis erinnert. Das ist laut Verein für den Wohlstand der Bundesrepublik verantwortlich.

„Endlich können wir loslegen“, sagt Dietmar Bittner, stellvertretender Vorsitzender des Vereins und neben dem Vorsitzenden und Museumsleiter Bernd Niesel einer der Vertragsunterzeichner. Auch Georg Schedler von der Bima war zufrieden. „Es ist ein schöner und erfolgreicher Tag für die Bima und den Verein“, meinte er. Beide Seiten hätten zusammengefunden und könnten einen Schlussstrich ziehen.

Im April 2011 hatte der neu gegründete Verein einen Nutzungsvertrag über das Haus Posen mit der Bundesanstalt geschlossen. Seitdem bemühte man sich darum, das Haus zu übernehmen. Zuletzt hatte eine Vertragsklausel für Verzögerungen gesorgt. Es ging um eine Zweckbindung als Museum über 15 Jahre und Zahlungen an die Bima, sollte der Verein aufgelöst werden beziehungsweise das Gebäude verkaufen. Man einigte sich schließlich auf Formulierungen, die die Interessen beider Seiten berücksichtigen.

Der Verein will sich jetzt daranmachen, Geld von Spendern und Sponsoren einzuwerben. „Einige haben nur darauf gewartet, dass uns das Haus endlich gehört“, betont Niesel.

Geld braucht der Verein dringend. Denn mit dem Eigentümerwechsel wurden allein 9000 Euro fällig, die an die Gemeinde als Erschließungskosten zu zahlen sind. Insgesamt kalkulieren Niesel und Bittner mit 120 000 Euro, die man für die Sanierung des Gebäudes benötigt.

Zunächst müssen die alten Wasserleitungen im Haus gespült werden, um sie keimfrei zu bekommen. Erst dann kann ein Anschluss an das gemeindliche Versorgungsnetz erfolgen. Derzeit werden Toilette und Waschbecken aus einem Tank im Keller gespeist.

Der Bau einer Heizung ist das nächste große Ziel laut Niesel. Derzeit gibt es nur Frostwächter und zwei mobile Heizgeräte. Diese sorgen nicht für ausreichende Temperaturen in den Räumen. Daher seien im Winter keine Führungen möglich, „der eigentlich besseren Zeit für Museumsbesuche“, meint Niesel.

Stichwort: Das Museum Währungsreform

Im Haus Posen in der heutigen Fritz-Erler-Anlage in Rothwesten wurden die Voraussetzungen für die Währungsreform am 20. Juni 1948 in den drei Sektoren der Westalliierten erarbeitet. Bei dem Konklave waren elf Finanz- und Kreditexperten unter der Leitung des US-Amerikaners Edward A. Tenenbaum sieben Wochen unter strenger Geheimhaltung in dem Haus eingeschlossen.

An das Konklave und die Einführung der D-Mark erinnert das Museum Währungsreform, das Alfons Kössinger, ehemaliger Soldat in Rothwesten, begründete und im November 1994 eröffnete. Die Ausstellung mit Zeitdokumenten in Wort, Bild und Ton beinhaltet auch die Währungsreform in der Sowjetischen Besatzungszone, den Geldumtausch im Kontext mit der Wiedervereinigung sowie die Entwicklung des Euro.

Nach dem Tode Alfons Kössingers übernahm Bernd Niesel die Leitung des Museums. (mic)

Fotos: Museum zur Währungsreform in Rothwesten

Museum zur Währungsreform in Rothwesten

Fliegerhorst weiteres Thema

Im Frühjahr 2011 hat sich der Museumsverein Währungsreform gegründet. Ziel der Gründungsmitglieder um Museumsleiter Bernd Niesel ist, den historischen Ort und das Gedenken an das Konklave zu erhalten. Aktuell gehören dem Verein 54 Personen an, die aus der ganzen Bundesrepublik kommen.

2012 hatte das Museum, das nur unter Voranmeldung besucht werden kann, über 800 Besucher, sagt Niesel. Der führt vornehmlich Gruppen von Mitte März bis Mitte Oktober durch die Räume.

Neben der Währungsreform soll als zweiter Themenschwerpunkt mit einer Ausstellung im Erdgeschoss auch an den ehemaligen Fliegerhorst Rothwesten (von 1934 bis 2007) erinnert werden. Erste Schautafeln und weitere Exponate sind bereits vorhanden. (mic)

Kontakt: Bernd Niesel, Telefon 0561/8 20 24 42.

Von Michael Schräer

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