„Vereinsleben steht in Frage“

Probeentnahme an Decke und Wand: Rainer Haldorn zeigt die Deckenverkleidung, von der eine Probe entnommen und ins Labor geschickt wurde. Foto: Sommerlade

Fuldatal. Die Sorgen stehen Mario Schirmer, Uwe Sauerland und Rainer Haldorn ins Gesicht geschrieben. Bereits zum wiederholten Male treffen sich die Vorstandsmitglieder des TV Simmershausen zur Krisensitzung im Vereinsheim im Haus der Vereine. Auf dem Tisch stapeln sich Ordner voller Schriftverkehr.

„Sehr viel schlimmer hätte für uns das Jahr fast nicht beginnen können“, ist sich das Trio einig. „Erst kam die Nachricht, dass unsere Vereinsräume mit Schadstoffen belastet sind. Auf dem Neujahrsempfang erfuhren wir zusätzlich, dass der Nutzungsvertrag zwischen der Gemeinde und dem Landkreis zum Ende des Jahres aufgekündigt wurde. Für uns steht jetzt die weitere Nutzung total in Frage.“ Das Haus der Vereine ist ein Großprojekt im Rahmen der Dorferneuerung.

Zumindest in Bezug auf die ermittelten Schadstoffe in den Vereinsräumen gab es für die TV-Verantwortlichen Entwarnung. War man zu Beginn davon ausgegangen, dass die von den Sportvereinsmitgliedern getätigten Einbauten für den erhöhten Formaldehydwert in der Raumluft verantwortlich sein könnten, so hat man nach der Probeentnahme an Decke und Wand in den Vereinsräumen endgültige Gewissheit: Das vom TV-Vorstand eingeholte Gutachten des Kasseler Ingenieurbüros Umweltanalytik Oetzel bestätigt, dass weder die Wand- noch die Deckenpaneele, die seinerzeit in Eigenleistung eingebaut wurden, erhöhte Werte aufweisen. „Der TV ist aus dem Schneider, das ist für uns eine positive Nachricht“, sagt Haldorn. „Es bleiben aber immer noch Fragen über Fragen.“

„Hier darf keine Zeit verschenkt werden.“

Da auch ein negatives Untersuchungsergebnis des vorhandenen und im Auftrag der Gemeinde bearbeiteten Holzparketts vorliege, stelle sich nun die Frage des weiteren Vorgehens. „Wenn weder Wand, Decke noch Fußboden erhöhte Werte aufweisen, fragen wir uns ernsthaft, wo die ermittelten Werte herkommen sollen?“ Das im Raum befindliche Vereinsmobiliar, das seinerzeit für rund 15 000 Euro angeschafft wurde, schließt Haldorn von vornherein aus. „Bei der Einrichtung handelt es sich um zertifizierte Möbel.“

Wer soll nun aber nach den jüngsten Erkenntnissen die Kosten in den Vereinsräumen übernehmen? Bürgermeisterin Anne Werderich gab dazu keinen Kommentar ab. „Mir liegen derzeit diese Ergebnisse noch nicht vor, daher kann ich dazu nichts sagen“, hieß es gestern Vormittag im Fuldataler Rathaus.

Die im Raum stehende Kündigung seitens des Landkreises bereitet den TV-Verantwortlichen zudem großes Kopfzerbrechen. Hintergrund waren die von der Gemeinde beauftragten Schadstoffmessungen im gesamten Gebäude. „Hier wurden Belastungen festgestellt, für deren Beseitigung Kosten von rund 230 000 Euro kalkuliert werden“, fasst Haldorn zusammen. Für den TV, einem Verein mit fast 600 Mitgliedern, stehe nun die Weiternutzung ihrer Räume und somit das komplette Vereinsleben in Frage.

An einer raschen Klärung ist der TV-Vorstand daher interessiert. „Wir haben bereits am 12. Januar ein Schreiben an die Gemeinde, den Landkreis sowie alle Vereinsvertreter verfasst, in dem wir um einen Termin mit allen Verantwortlichen gebeten haben“, so Haldorn. „Hier darf keine Zeit verschenkt werden.“

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