Verlegung von Gottesdiensten auf Nachmittag umstritten

Kreis Kassel. „Eine grundsätzliche Verlegung des Gottesdienstes auf nachmittags oder abends steht bei uns nicht zur Diskussion", sagt Carmen Jelinek auf Nachfrage.

Damit reagiert die Dekanin auf eine derzeit in der Evangelischen Kirche Deutschland geführte Diskussion.

Die leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, hatte angeregt, den traditionellen 10-Uhr-Gottesdienst auf eine spätere Tageszeit zu verschieben. Damit will sie leeren Kirchen am Sonntagmorgen begegnen. Die Lebenswirklichkeit von Familien sei eine andere geworden. Rund um Kassel seien die Besucherzahlen schon ganz gut, in ländlicheren Regionen sehe es schlechter aus, sagt Jelinek. Im Schnitt seien es 50 bis 100 Besucher. Sobald ein besonderer Event anstehe, stiegen die Zahlen enorm. Insgesamt habe man dadurch mehr Besucher als früher.

„Es liegt nicht an der Uhrzeit, sondern daran, dass die Menschen auf Besonderes reagieren“, sagt die Dekanin. Daher habe man sich spezialisiert: In vielen Orten werde oft neben dem Vormittagsgottesdienst noch ein zweites Programm angeboten. So gebe es in Oberkaufungen beispielsweise zusätzlich monatlich einen Familiengottesdienst um 11 Uhr und einen Abendgottesdienst um 18 Uhr. „Das sind dann thematische Gottesdienste, in denen auch Lieder gesungen werden, die nicht im Gesangbuch stehen.“ Oft sei eine Band eingebunden und es gebe ein Anspiel. „Die Veranstaltung wird im Team organisiert und die Teilnehmer werden in den Ablauf mit eingebunden.“ Die Gottesdienste seien mit mehr Aktivität verbunden. „Menschen, die daran teilgenommen haben, finden auch wieder zum 10-Uhr-Gottesdienst zurück, weil sie merken, wie gut es ist, zur Ruhe zu kommen.“

Auch Dechant Harald Fischer glaubt nicht, dass allein eine Verlegung der Uhrzeit mehr Besucher anlockt. Zwischen elf und 15 Prozent der Katholiken besuchen bundesweiten Zählungen zufolge regelmäßig den Gottesdienst. „Das ist auch im Bistum Fulda so, auch im ländlichen Raum.“ In katholisch geprägten Gegenden wie Naumburg und Volkmarsen seien die Zahlen etwas höher, im Bereich Hofgeismar niedriger. „Sicher ist es dringend notwendig, bei der Gestaltung der Gottesdienste die konkrete Wirklichkeit in den Blick zu nehmen.“ Dazu gehöre, dass bei den Zeiten die Lebensgewohnheiten der Menschen berücksichtigt würden. Daher richte die katholische Kirche Gottesdienste seit Jahrzehnten Samstag und Sonntag zwischen 10 und 19 Uhr aus.

Dies sei jedoch nur ein Aspekt. Da im Gottesdienst der Glaube gefeiert werde, sei die zentrale Herausforderung, den Menschen Zugänge zum Glauben zu ermöglichen. „Christsein gibt es nicht mehr als kulturelle Prägung, sondern als individuelle persönliche Entscheidung Einzelner.“

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