Brandstiftung: Im Prozess von Lohfelden sagte gestern der Ermittlungsleiter der Kripo aus

Verpuffung sprengte Tür und Fenster auf

Lohfelden / kassel. Mit der Aussage des Kripobeamten, der die Ermittlungen zum Brand in einem Geschäfts- und Wohnhaus an der Hauptstraße von Lohfelden am 26. Oktober 2013 führte, ist der Prozess gegen einen 40-Jährigen aus Lohfelden vor dem Kasseler Landgericht weitergegangen. Der Ermittler war gestern einziger Zeuge in dem von Richter Stanoschek geführten Verfahren vor der 5. Strafkammer. Dem Angeklagten wird schwere Brandstiftung und versuchter Versicherungsbetrug vorgeworfen.

In dem Haus war im Keller durch das Entzünden eines Benzingas-Luftgemisches eine enorme Verpuffung ausgelöst worden, die Türen und sogar ein Dachfenster aufsprengte und in deren Folge das Ladengeschäft im Erdgeschoss des Hauses vollständig zerstört worden war. Durch welchen Zündmechanismus das Feuer ausgelöst wurde, blieb aber auch gestern nach der Aussage des Kripobeamten unklar.

Deutlich wurde hingegen die stark überhöhte Versicherung des Second-Hand-Ladens, dessen Geschäftsmodell offenbar nicht besonders einträglich war. In den Regalen wurden gebrauchte Waren aller Art von kommerziellen und privaten Verkäufern angeboten. Der 40-Jährige kassierte dafür eine Verkaufsprovision von 20 Prozent.

Die Ermittlungen ergaben laut Aussage des Kripobeamten einen wöchentlichen Umsatz von wenigen Hundert Euro, denen Kosten durchs Verkaufspersonal und Entnahmen des Geschäftsführers von 4000 Euro monatlich gegenüberstanden. Die Ladeneinrichtung - es waren billige Ikea-Regale - und die Kommissionsware der gewerblichen Kunden war mit 100 000 Euro versichert, was immerhin Kosten von 1280 Euro im Jahr verursachte.

Der 40-Jährige hatte bei der Sparkassen-Versicherung zwei Tage nach dem Brand einen Schaden von knapp 82 000 Euro geltend gemacht, der aber wegen der inzwischen angelaufenen Kripo-Ermittlungen nicht beglichen wurde.

Deutlich wurde gestern die durchaus schillernde Figur des Angeklagten, dessen Gartenhütte bereits im August 2013 abgebrannt war - gleichfalls ein Versicherungsfall, der aber keine Brandstiftungs-Ermittlungen nach sich zog.

Ebenso hatte der zeitweilige Hartz-IV-Empfänger ein Jura-Studium vorgegaukelt, allerdings lagen bei der Uni Hamburg weder eine Immatrikulation noch eine Promotion des Angeklagten vor.

Während der Ermittlungen waren die Telefongespräche des Angeklagten überwacht worden. Dabei gab es Hinweise darauf, dass der Wert der verbrannten Ware fingiert wurde, um die Versicherungssumme nach oben zu treiben.

Insgesamt sollen in dem Prozess 37 Zeugen gehört werden. Laut Verhandlungsplan ist am 20. März mit einem Urteil der Strafkammer zu rechnen.

Von Thomas Stier

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