Verein fehlte Nachwuchs – Gemeinde übernimmt Kapital

Vertriebene in Espenau lösen Verbund auf

An Gedenstätte gegen Vertreibung: Bürgermeister Michael Wielert (links) und Josef Matheis, langjähriger Vorsitzender des Espenauer Bundes der Vertriebenen.

Espenau. Einen Bund der Vertriebenen (BdV) gibt es in Espenau nicht mehr. Zum Jahreswechsel hatte sich der Ortsverband aufgelöst. „Ich war mit 77 Jahren der Jüngste“, sagt Josef Matheis, von 1985 bis vor einigen Wochen Vorsitzender des BdV Espenau mit noch 44 Mitgliedern.

Von denen kamen aber immer weniger zu den Veranstaltungen. Und ein Ehrenamt, zum Beispiel im Vorstand, konnte oder wollte niemand mehr übernehmen.

Ein Schicksal vieler Vertriebenen-Verbände und auch anderer Vereine, sagt Bürgermeister Michael Wielert. Auf dem Grundstück der Kommune steht die Gedenkstätte, an die Gemeinde fiel mit der Vereinsauflösung das verbliebene Kapital von 1474,90 Euro.

Jetzt ist die Frage, was geschieht mit dem Denkmal gegen Vertreibung, das unweit der Freizeitanlage Steinbruch steht? Zur Gedenkstätte gehören ein fünf Meter hohes Holzkreuz, Mauereinfassung und Stufen aus Sandstein, Bänke. 1954 hatten die Vertriebenen die Anlage erstellt und in der Nachbarschaft eine Schützhütte gebaut.

Unterricht für Kinder der Vertriebenen: Das Bild aus dem Buch „Flucht, Vertreibung und Integration - Geschichte der Espenauer Heimatvertriebenen“ von Franz Laaber aus der Reihe Ortsgeschichte Espenau zeigt Lehrerin Paula Gottfried, die aus Nordböhmen stammte, mit ihrer Schulklasse. Der Schulbetrieb begann in Hohenkirchen am 9. Januar 1950.

Josef Matheis pflegte über Jahre hinweg zusammen mit seiner Frau Margarete die Anlage, sammelte auch den Müll ein, der immer wieder von Feiernden rund um die Schutzhütte zurückgelassen wurde. Dazu sieht sich der 77-Jährige aber nicht mehr in der Lage.

Vielleicht übernehme die Espenauer Senioreninitiative die Pflege, sagt Wielert. Die Gemeinde könne diese Arbeiten nicht leisten. Denn abreißen wolle man die Anlage nicht, auch wenn sie in die Jahre gekommen sei. Zum Beispiel hat ein Specht erkennbar ein Loch in das Holzkreuz geschlagen. Es ist das zweite seit Bestehen der Gedenkstätte.

Bilder aus der Geschichte der Vertriebenen

Vertreibung und Vertriebene in Espenau

Das Schicksal der Vertriebenen „ist aber ein Stück Geschichte unserer Kommune“, betont der Bürgermeister. Daher gebe es den Plan, eine neue Gedenkstätte mit einem kleineren Kreuz („vielleicht drei Meter hoch“) auf dem Friedhof Hohenkirchen zu errichten. Im Ortsteil „wohnen 90 Prozent der Vertriebenen“. Finanzieren könne man dies unter anderem mit dem zweckgebundenen Geld des aufgelösten Ortsverbandes. Die Pflege sei auf dem Friedhof auch einfacher zu realisieren, sagt Wielert.

Josef Matheis findet den Vorschlag des Bürgermeisters „ganz toll“. Eine neue Gedenkstätte sei sinnvoll, „damit die Menschen das Thema Vertreibung nicht vergessen“.

Von Michael Schräer

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