Espenauer hat ein Buch über die Geschichte von Familien geschrieben

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Auf engstem Raum: Nach ihrer Ankunft in Hohenkirchen lebte die Familie von Franz Laaber bis 1952 im Haus von Helmut Neusel in der Rothwester Straße - in einem Raum.

Espenau. Am Anfang stand ein Versprechen. Dies gab Franz Laaber aus Espenau seinem Vater. Er sollte die Geschichte des Heimatortes Großtajax im heutigen Tschechien festhalten, die Vertreibung aus der Heimat und die Aufnahme im Espenauer Ortsteil Hohenkirchen.

Nun ist Franz Laabers Buch erschienen: „Flucht, Vertreibung und Integration - Geschichte der Espenauer Heimatvertriebenen“. Was als Familienchronik begann, ist ein umfassendes Werk über einen Teil der Espenauer Ortsgeschichte geworden.

Zweieinhalb Jahre lang hat der 68-Jährige recherchiert und über 50 Interviews mit Zeitzeugen geführt. Was sie berichteten, bildet einen Schwerpunkt des Buches. Berührende Schicksale, die vom Verlust der Heimat und der gesamten Habe, von Flucht und Vertreibung, Gewalt und Tod handeln – aber auch von der Ankunft in Espenau und dem Aufbau einer neuen Existenz.

„Es sollte nicht nur um das Leid der Vertreibung gehen. Ich wollte auch die Integration der Heimatvertriebenen hier beschreiben und die Hilfsbereitschaft vieler Einheimischer“, erklärt Laaber.

Er selbst war zwei Jahre alt, als die Familie 1946 aus Großtajax vertrieben wurde. Wie viele andere wurden sie in ein Zentrallager gebracht und von dort in Eisenbahnwaggons nach Deutschland. Die Familie landete in Hohenkirchen, so wie insgesamt über 750 Vertriebene und Flüchtlinge. Sie sprachen verschiedene Dialekte und gehörten unterschiedlichen Religionen an. „All das galt es, unter einen Hut zu bekommen“, sagt Franz Laaber. Keine leichte Aufgabe. Doch Espenaus Bürgermeister Michael Wielert betont: „Sie sind angekommen. Die Integration hat in allen Bereichen gut funktioniert.“

Geschichte der Vertriebenen: Franz Laaber vom Arbeitskreis Ortsgeschichte Espenau mit seinem Buch.

Sie fanden eine neue Heimat, vergessen haben sie die alte jedoch nicht. Das zeigen die Berichte, wie zum Beispiel der von Elvira Vogt, geborene Linke. Sie stammt aus Kreibitz (heute Chribska) in Böhmen, wo ihre Eltern ein Gasthaus betrieben, und erinnert sich an die wunderschöne Landschaft des Elbsandsteingebirges. Im Mai 1946 wurde die Familie ausgewiesen und gemeinsam mit etwa 1200 Vertriebenen per Zug nach Deutschland gebracht, in Mönchehof wurde ihr Waggon schließlich abgekoppelt.

Dramatisch ist auch die Geschichte von Erich Jährling, der mit seiner Mutter auf der Flucht aus Ostpreußen keinen Platz mehr auf der „Wilhelm Gustloff“ fand. Wenige Tage später wurde das Schiff versenkt und mehr als 9300 Menschen starben.

Ergänzt hat Franz Laaber die Lebensgeschichten mit historischen Hintergrundtexten und Beschreibungen der Regionen und Orte, aus denen die Heimatvertriebenen kamen. Zudem beschreibt er ihre Ankunft in Espenau, die damaligen Lebensumstände und wie sie Fuß fassten. Bilder und Dokumente, Grafiken und Karten veranschaulichen den Text.

Viele der Menschen, die Franz Laaber ihre Geschichte erzählten, seien dankbar gewesen, dass er über das Schicksal der Heimatvertriebenen berichten wollte. „Damit es nicht in Vergessenheit gerät“, sagt Franz Laaber. Und fügt mit Blick auf sein Buch hinzu: „Versprechen gehalten.“

Von Meike Schilling

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