Viel Ärger für einen Wattenbacher: Wassererwärmung funktionierte nie

Nur Schrott wert: Michael Martin zeigt auf die Reste einer Solarthermieanlage aus dem Jahre 2003, die schon wenige Tage nach der Montage ihren Geist aufgab. Foto:  Wohlgehagen

Söhrewald. „Ich habe für meine Solaranlage die falsche Firma ausgewählt“, sagt Michael Martin. Der 69-jährige Rentner zeigt auf die Röhrenkollektoren, die seit 2003 auf dem Dach seines Bungalows in Wattenbach angebracht und jetzt schrottreif sind.

Die abgängigen Röhren sind Teil einer thermischen Solaranlage, mit deren Hilfe der Hauseigentümer die Energiekosten für die Warmwasseraufbereitung und Beheizung seines Einfamilienhauses spürbar senken wollte.

Aus diesem Plan wurde nichts: Wie Michael Martin berichtet, platzte wenige Tage nach der Inbetriebnahme der Anlage eine Rohrleitung unter dem Dach. Aus den Kollektoren sei eine giftige Flüssigkeit ausgetreten. Die 7800 Euro teure Solarthermieanlage musste damals notabgeschaltet werden, und in diesem Zustand verharrt sie bis heute – trotz eines Teilerfolgs, den Michael Martin vor Gericht gegen die für den Schaden verantwortliche Heizungsfirma aus Lohfelden erzielte. Auch eine Strafanzeige gegen einen Gutachter und eine an den Hessischen Landtag gerichtete Petition waren letztlich nicht zielführend. Martin bleibt im Ergebnis mit den entgangenen Kosteneinsparungen auf einem Gesamtschaden von mehr als 7000 Euro sitzen.

Die Firma aus Lohfelden habe ein viel zu kleines Ausdehnungsgefäß ausgewählt und die Kollektoren mit der falschen Flüssigkeit gefüllt. Das waren die wesentlichen Argumente Michael Martins im Verfahren vor dem Oberlandesgericht. Das beklagte Unternehmen verwies auf Bedienungsfehler. Der Rechtsstreit wurde schließlich im Januar 2009 mit einem Vergleich beendet. Die Firma entschädigte Martin mit 3500 Euro.

Noch während des Verfahrens gegen das Heizungsunternehmen stellte Michael Martin Strafanzeige gegen einen vom Gericht bestellten Gutachter aus Kassel, unter anderem wegen „wissentlicher Falschaussage“ zur Schadensursache und über die Kosten der Wiederherstellung der beschädigten Solaranlage. Der Staatsanwaltschaft warf Michael Martin später vor, nicht ausreichend gegen den Gutachter zu ermitteln.

„Die haben sich in Gutsherrenart über Fakten hinweggesetzt und mich wegen der bewussten Falschaussage des Gutachters über die Betriebsanleitung eines Heizungssteuerungsgeräts im Regen stehen lassen“, sagte Martin. Er erhob Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die zuständige Staatsanwältin und wandte sich mit einer Petition an den Hessischen Landtag. Vergeblich. Die Beschwerde wurde zurückgewiesen und auch der Petitionsausschuss des Landtages teilte dem Bittsteller mit, „keine Veranlassung gesehen zu haben, die bisherige Sachbehandlung durch die Staatsanwaltschaft Kassel infrage zu stellen“. Nachdem jetzt auch der angezeigte Gutachter vom Amtsgericht Kassel freigesprochen worden ist, hat sich auch der allerletzte Versuch Michael Martins, eine höhere Entschädigung für die nutzlose Solaranlage zu erreichen, als erfolglos erwiesen.

Der Wattenbacher reagierte hierauf „mit Unverständnis und Wut“ zugleich: „Das ist ein Staat, der gegen die Bürger ist“, sagte der Hausbesitzer unserer Zeitung. Und weiter: Er könne nicht begreifen, dass ein Sachverständiger, der nachgewiesen falsch begutachtet hat, ohne Strafe davonkomme.

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