250.000 Euro für neuen Losse-Übergang bei Sandershausen – In Kaufungen wurden nur 40.000 Euro fällig

Sandershausen: Neue Brücke kostet 250.000 Euro - Experte: Günstiger möglich

Soll weg: An dieser Stelle ist die neue Brücke über die Losse geplant.

Niestetal / Kassel. In Niestetal soll eine neue Brücke über die Losse geschlagen werden. Der Neubau wird eine kleine Holzbrücke ersetzen, die in der Nähe des Müllheizkraftwerks Kassel über das Gewässer führt. 250.000 Euro sind dafür veranschlagt - obwohl es deutlich günstiger gehen könnte, sagt ein Experte.

Wie berichtet, ist das Bauwerk marode, es musste bereits mit Metallplatten verstärkt werden.

Die Kostenschätzung für den 14 Meter langen und 2,50 Meter breiten Übergang lässt aufhorchen. 250.000 Euro soll die Brücke nach Angaben des Hochbauamts der Stadt Kassel kosten. In Kaufungen dagegen wurde vor wenigen Wochen eine Brücke über die Losse für insgesamt 40.000 Euro fertiggestellt.

Die Kaufunger Brücke.

Sie ist bei gleicher Breite sogar vier Meter länger als der in Niestetal geplante Bau, für den Kassel und seine Nachbargemeinde gemeinsam zuständig sind. Ein Grund für den erheblichen Unterschied bei den Kosten: In Kaufungen setzte man auf den Baustoff Holz, wie auch bei der jetzt brüchig gewordenen Brücke in Niestetal. Allerdings macht ein Dach die Konstruktion wetterfest.

Mit Holz ließen sich nicht nur Kosten spare, sagt Marc Keating, der die Kaufunger Brücke gebaut und entworfen hat. „Eine gut gebaute und überdachte Holzbrücke überlebt jede Brücke aus Beton“, sagt der aus England stammende Zimmermeister.

Er glaubt, dass sich auch der geplante Bau in Niestetal günstiger verwirklichen lassen würde. Die Kosten für eine Holzkonstruktion schätzt er grob auf unter 50.000 Euro. „Da hätte ich gern mal einen Kostenvoranschlag gemacht“, sagt Keating.

Uwe Bischoff leitet die Abteilung für Straßen- und Brückenbau im Straßenverkehrs- und Tiefbauamt der Stadt Kassel und ist mit der Planung der Brücke in Niestetal betraut. Er sagt, man habe sich bewusst gegen eine Holzkonstruktion entschieden, auch wenn diese günstiger sei.

Mit Holzbrücken habe man „leidvolle Erfahrungen“ gemacht. Grund für die vergleichsweise hohen Kosten der neuen Brücke seien auch die besonderen Anforderungen, die das Gelände an den Bau stelle: „Wir haben den Baugrund untersucht. Auf jeder Seite müssen zwei Pfähle acht Meter tief versenkt werden, damit alles stabil ist“, sagt Bischoff.

Er ist, im Gegensatz zu Keating, der Meinung, Beton halte länger als Holz. Zudem werde Holz schnell rutschig und so zur Gefahr für die vielen Fahrradfahrer, die mit dem Rad von Kassel zu ihrer Arbeit beim nahe gelegenen Solartechnikhersteller SMA über die Brücke fahren. Bischoff geht davon aus, dass das Land 80 Prozent der Kosten übernehmen wird, ein Förderantrag wurde bereits gestellt. Die restlichen Kosten würden sich die Stadt Kassel und die Gemeinde Niestetal teilen.

„Die Kosten, die wir tragen können, sind nicht nach oben offen“, sagt Dennis Bachmann, Sprecher der Gemeinde Niestetal.

Bei der Kalkulation verlasse man sich allerdings auf die Stadt Kassel. Etwas verwundert ist der Sprecher dennoch: „Bei unseren Gesprächen mit der Stadt war noch von 200.000 Euro die Rede.“ (nh)

Von Irene Habich

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