Autokauf: Überweisung auf ungarisches Konto

Betrugsmasche mit Mercedes - Baunataler fällt nicht rein

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Ließ sich nicht auf das Geschäft ein: Dieter Norwig aus Guntershausen. Er vermutet, dass er den Mercedes, der im Internet angeboten wurde, niemals bekommen hätte. Den E-Mail-Verkehr mit den vermeintlichen Verkäufern und ein Foto des Autos hat er sich auf Papier ausgedruckt.

Baunatal. Eigentlich hatte sich das alles so gut angehört. Genau so einen Mercedes der S-Klasse hatte Dieter Norwig über ein bekanntes Internetportal gesucht: Baujahr 2008, für 31.000 Euro.

Doch spätestens als der Guntershäuser das Geld - ohne das Auto jemals gesehen zu haben - auf ein Konto in Ungarn überweisen sollte, wurde er stutzig. „Ich habe natürlich keinen Cent überwiesen.“ Zunächst nahm der 69-Jährige, nachdem er den schwarzen Mercedes im Internet entdeckt hatte, per E-Mail Kontakt mit dem Verkäufer auf. „Das war angeblich ein Herr Ansorge“, berichtet der Guntershäuser.

Dieser Herr Ansorge gab in einer Antwort-Mail an, dass es sich bei dem Mercedes um ein Firmenfahrzeug handele. Dass er mit diesem zwischen Autowerken in Ungarn und Polen gependelt sei und dieses nun in Debrecen in Ungarn in einer Halle stehe. Ihm eile es mit dem Verkauf, weil er das Auto nicht mehr nutze. Nach Zahlung des Kaufpreises auf ein Treuhandkonto in Budapest werde der Mercedes mit einem 14-tägigen Rückgaberecht innerhalb von fünf bis sieben Tagen an den Baunataler ausgeliefert, habe es geheißen. Abgewickelt werde die ganze Angelegenheit über eine Berliner Anwaltsnotarsozietät und einen Dr. Müller.

Diesen habe er unter der angegebenen Telefonnummer mehrfach angerufen, sagt Norwig. „Erstaunlich war schon, dass Herr Dr. Müller immer gleich am Telefon war.“ Der Baunataler, der früher selbst mit Wohnmobilen handelte und ein ehemaliger Rallyefahrer ist, vermutet, dass es sich um eine groß angelegte Betrugsmasche handelt. „Diesen Leuten muss man doch das Handwerk legen“, sagt Norwig. Er geht davon aus, dass er das Luxusauto niemals bekommen hätte und das Geld weg gewesen wäre.

Bestärkt wird der 69-Jährige in dieser Auffassung, weil er inzwischen weiter nach einem Mercedes über das Internetportal gesucht hat. Als er jetzt wieder Interesse an einem ähnlichen Auto äußerte, bekam er nämlich von dem angeblichen Verkäufer eine E-Mail mit dem gleichen Text wie schon bei dem ersten Mercedes zugeschickt. „Diesmal von einem Herrn Schulz.“

Anrufe bei der Staatanwaltschaft in Berlin und bei der Anwaltskammer brachten den Baunataler endgültig dazu, die ganze Sache Fallen zu lassen. Allerdings, so wundert sich Norwig, habe die Polizei bisher keine Interesse gehabt, den Fall zu verfolgen.

Die Masche sei im Betrugsdezernat der Kasseler Polizei bekannt, sagt Polizeisprecher Michael Lange. Dass die Geschäfte über Ungarn abgewickelt werden sollen, sei allerdings neu. „Bisher hatten wir meisten England oder Dänemark als besagte Länder.

Ebenfalls neu sei, dass der Interessent gleich den gesamten Kaufpreis überweisen soll, ehe er das Auto überhaupt gesehen hat, sagt Lange. „Bislang handelte es sich meistens nur um eine Anzahlung.“ Der Sprecher rät dazu, die Finger von solchen Angeboten zu lassen.

Von Sven Kühling

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