Dorfservice in Söhrewald erleichtert Alltag von Senioren – Anerkennung für Projekt bei Demografie-Preis

Viel mehr als nur ein Fahrdienst

Nicht mehr wegzudenken: Für Else Poschwidz (links) gehört der Dorfservice seit über fünf Jahren zum Allatg. Margrit Henning holt sie hier gerade vom Einkauf ab. Foto: C. Hartung

Söhrewald. Else Poschwidz steht mit Einkaufstüten bepackt vor dem Supermarkt. Ein weißer Kleinbus rauscht an, Margrit Henning steigt aus, begrüßt die 85-jährige Dame herzlich und lädt ihre Taschen in den Kofferraum.

Seit fünf Jahren nutzt Poschwidz den Dorfservice in Söhrewald. „Wenn ich einkaufen will, rufe ich Frau Henning einen Tag vorher an. Dann holt sie mich zu Hause ab, fährt mich dorthin und holt mich auch wieder ab.“ Auch die Tüten trage Henning der betagten Dame bis vor die Tür.

Im Jahr 2009 wurde der Dorfservice als Lieferservice für Lebensmittel ins Leben gerufen, mittlerweile werden auch Fahrten zu Behörden oder zum Arzt angeboten. Doch nicht nur die Fahrt steht auf dem Programm von Margrit Henning, die das Projekt von Anfang an betreut. „Ich begleite die Menschen zum Beispiel auch beim Einkaufen oder bringe Rezepte zur Apotheke.“

Auch die 75-jährige Rosel Wenderoth nimmt den Dorfservice gern in Anspruch. Als Margrit Henning mit dem weißen Bus beim Edeka-Markt in Wellerode vorfährt, um die Dame vom Einkaufen abzuholen, freut sie sich. „Ich bin so froh, dass es den Dorfservice gibt“, sagt die 75-Jährige, während sie in den weißen Transporter steigt und es sich auf dem Rücksitz gemütlich macht. „Ich bin immer mit dem Bus gefahren, aber das Laufen zur Haltestelle wird immer beschwerlicher.“

In Eiterhagen, wo Rosel Wenderoth wohnt, gibt es nämlich nur eine Bushaltestelle. „Für ältere Leute, die nicht mehr richtig gehen können, sind die Steigungen dort fast nicht zu bewältigen“, weiß Margrit Henning.

Jeden Werktag von acht bis 14 Uhr betreut die 63-Jährige die alten Menschen in Söhrewald. Warum der Dorfservice für die Senioren mittlerweile unverzichtbar ist, weiß Henning genau: „Die Menschen können dadurch ihre Selbstständigkeit erhalten. Denn sie können frei entscheiden, wohin sie wann gehen wollen.“ Aber noch etwas ermögliche der Dorfservice für die Senioren: Kommunikation. „Viele sind einfach froh, wenn sie bei mir im Auto sitzen und sich unterhalten können. Zu einigen habe ich ein sehr vertrauensvolles Verhältnis.“

An manchen Tagen sei es sehr stressig. „Da fahre ich wirklich von Termin zu Termin.“ Auch logistisch müsse man wirklich fit sein, schließlich muss man jeden Tag aufs Neue die Wege planen. „Manchmal weiß ich wirklich nicht, wie ich das alles schaffen soll.“ Trotzdem schafft esMargrit Henning jeden Tag aufs Neue, ihre Kunden glücklich zu machen. „Für mich ist das ein wunderschöner Job. Mir wird unwahrscheinlich viel Dankbarkeit entgegengebracht.“

Von Carolin Hartung

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