In Obervellmar halten Bauarbeiten am Bahnhof die Menschen nächtelang wach

Viele Anwohner schlaflos

Die Bauarbeiten in Obervellmar: Nachts werden mit der Schlagramme Fundamente für 31 neue Oberleitungsmasten in die Erde gerammt. Foto: Sommerlade

Vellmar. Volker Müller hat die letzten Nächte nicht geschlafen. Immer kurz vor Mitternacht geht es los: das laute metallische Klopfen, das Dröhnen und Vibrieren. Müller wohnt in der Silberkaute, nur wenige Meter vom Bahnhof in Obervellmar entfernt.

Dort werden nachts die Fundamente für 31 Stahlmasten in den Boden gerammt: Sie sollen die Oberleitung für das neu entstehende, dritte Gleis tragen. Müller ist gesundheitlich angeschlagen, deshalb leidet er besonders unter dem Lärm: „Es geht mir auch an die Psyche. Langsam wird man durch den Schlafentzug aggressiv.“

Auch die Familie von Nachbar Carsten Apel schläft bei dem Krach nur schlecht. Apel hat zwei Söhne, fünf und elf Jahre sind sie alt: „Beim ersten Schlag der Maschine werden meine Kinder wach. Morgens früh müssen sie dann zur Schule.“ Viele Anwohner haben sich beim Bauamt der Stadt beschwert. „Einige sind auch schon nachts zur Baustelle gekommen und haben gefragt, wie lange es denn noch dauern soll“, sagt Ulrich Velten, Obertmonteur für die Fahrleitung.

Volker Müller gehört nicht zu denen, die sich offiziell beschweren. Grundsätzlich hat er Verständnis, dass die Arbeiten Krach machen: „Ich verstehe nur nicht, warum es nachts sein muss.“

Tagsüber sei die Strecke zu stark befahren, sagt Christoph Funke, Projektleiter des NVV: „Die Bauarbeiten müssten dann ständig unterbrochen werden.“ Würde die Strecke gesperrt, müsste es einen Ersatzverkehr geben. Vor allem für den Güterverkehr sei das aber „praktisch nicht finanzierbar“. Nachts könne länger am Stück durchgearbeitet werden. Auf diese Weise werde man schneller fertig.

Geld spielt auch eine Rolle

Die Finanzen spielen auch für das Bauverfahren eine wichtige Rolle: So sei möglich, Löcher für Masten zu bohren statt sie mit der Schlagramme zu rammen. „Das wäre leiser, aber doppelt so teuer. Wahrscheinlich wäre es nicht genehmigt worden“, sagt Funke. 22,3 Millionen Euro investieren Bund und Land zusammen bereits in den Bau des dritten Gleises am Bahnhof Obervellmar und die Modernisierung der Strecke bis Ahnatal-Casselbreite. Jetzt noch auf ein anderes Verfahren umzuschwenken, sei ohnehin nicht mehr möglich, sagt Funke, „da hätte ganz anders geplant werden müssen“.

Er hofft auf das Verständnis der Anwohner. Um die Belastung gering zu halten, soll nie länger als zwei Nächte hintereinander auf einem Abschnitt gebaut werden. Die laute Schlagramme wird ohnehin nur noch an diesem Wochenende und drei Nächten Ende Februar eingesetzt. Dann sei für die Anwohner das Gröbste vorbei, sagt Funke. Kommentar

Von Irene Habich

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