Stadt Baunatal und Bürgerinitiative hatten zu Informationsveranstaltung über Suedlink-Trasse eingeladen

Viele Fragen blieben unbeantwortet

Volles Haus: Zu der Informationsveranstaltung über die Suedlink-Stromtrasse und deren Auswirkungen auf Baunatal kamen zahlreiche Baunataler Bürger in die Stadthalle, um mehr zu erfahren. Foto: T. Hartung

Baunatal. Für jede Menge Diskussionsstoff sorgte am Dienstagabend eine Informationsveranstaltung zum Bau der Starkstromtrasse Suedlink. Eingeladen hatten dazu in die Stadthalle die Stadt und die Bürgerinitiative gegen die Trasse.

Seit September 2014 steht fest, dass auch Baunatal von vier alternativen Routenplanungen der Stromtrasse, die Nordseestrom in den Süden Deutschlands transportieren soll, betroffen ist. Die Stadt hat sich mit Beschluss vom 17. November 2014 sehr deutlich gegen die Trassenführung ausgesprochen. Auch unter den Anwohnern werden Proteste und jede Menge Widerstand deutlich.

Angst vor Spätfolgen

Die Anlieger befürchten vor allem massive gesundheitliche Spätfolgen durch die Stromtrasse. Eine Besucherin verwies auf die Raumladungswolken in denen sich Ozon und Stickoxide bilden. Die Folge seien vermehrte Schadstoffe in der Luft. Karl Stock, Vorsitzender der Waldinteressenten Großenritte, fragt sich, was die Oberleitung für den Wald und das Naherholungsgebiet am Langenberg bedeutet. Es seien nicht nur die Menschen betroffen, sondern auch die Natur, führte er aus.

Viele der Gäste übten Kritik an der deutschen Politik. Es kam die Frage auf, wie man als Bürger politisch Druck ausüben kann, um etwas zu bewegen. Die Erste Stadträtin Silke Engler kritisierte vor allem, dass die Stadt Baunatal selbst erst über eine Pressemitteilung von der geplanten Stromtrasse erfahren habe. Sie fordert vom Netzbetreiber Tennet mehr Informationen und Transparenz zur Trassenführung.

Schwammige Ausführungen

„Die Ausführungen von Tennet sind sehr schwammig“, sagte sie. „So lange nicht alle Kriterien erfüllt sind, dass diese Trasse sein muss, werden wir uns vehement dagegen wehren“, bekräftigte sie. Wenn sie dennoch gebaut würde, müsse sie für alle gesundheitlich unbedenklich sein, führte Engler weiter aus.

„Bisher gibt es keine wissenschaftlichen Erkenntnisse zu gesundheitlichen Gefährdungen durch Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs-Leitungen (HGÜ)“, informierte Referent Dr. Peter Dahl. Die Begründung sei, dass diese Technik bisher in Deutschland nur selten vorkäme. Dr. Sebastian Kellner (Bürgerinitiative) fordert unter anderem die Überprüfbarkeit jener Kriterien, nach denen die bisherige Trassenplanung erfolgt ist und die Prüfung der Notwendigkeit dieser Trasse. Außerdem kritisiert er die hohen Übertragungsverluste (bei Überlandleitungen 6 Prozent) und die hohen Gesamtkosten von Suedlink (10 bis 20 Milliarden Euro), die letztendlich die Stromkunden zahlen müssten.

Am Ende blieben viele Fragen offen. „Wir können keine abschließenden Informationen geben“, teilte Silke Engler mit. Diese lägen bislang auch der Stadt Baunatal noch nicht vor.

Von Tina Hartung

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