Malsfelder Werkstätten haben ihren Betrieb aufgenommen – 117 Beschäftigte arbeiten dort in fünf Hallen

Für viele ist Weg zum Job jetzt kürzer

Glücklich am neuen Arbeitsplatz: Für Martin Pfetzing sind die Malsfelder Werkstätten ein Glücksfall. Die Beschäftigten erledigen dort mit einfachen Handgriffen Aufträge für Unternehmen wie VW und B. Braun. Foto: Gehlen

Baunatal / Malsfeld. Die Malsfelder Werkstätten haben jetzt offiziell ihren Betrieb aufgenommen. 117 Menschen mit Behinderung arbeiten dort. Bauherr ist die Baunataler Diakonie Kassel (BDK).

Nach fast zwei Jahren Bauzeit übergab Architekt Wilmar Rüttger das Gebäude an die Beschäftigten und an Vertreter der Diakonie. Es hat 5,3 Millionen Euro gekostet. Am Bau haben sich auch das hessische Sozialministerium mit 1,3 Millionen Euro und der Landeswohlfahrtsverband (LWV) Hessen mit 2,2 Millionen beteiligt.

In den fünf Werkhallen erledigen Menschen mit Behinderung Arbeiten für Auftraggeber wie Volkswagen, B. Braun und den Desinfektionsmittelhersteller Dr. Schumacher. Sie sollen am Berufsleben teilhaben können, wenn eine Vermittlung in den normalen Arbeitsmarkt nicht möglich ist.

Die Beschäftigten stammen aus den Werkstätten in Baunatal und Wabern. Diese Standorte bleiben bestehen und werden durch die Malsfelder Werkstätten entlastet. Für viele Menschen mit Behinderung bedeutet der Wechsel deutlich kürzere Wege. Trotzdem sei die Skepsis groß gewesen: „Für viele war die Veränderung mit Sorgen verbunden, es gab Beschwerden von Angehörigen“, erklärte Pfarrer Joachim Bertelmann, Vorstandsvorsitzender der Baunataler Diakonie Kassel. Doch die Arbeiter hätten sich schnell wohlgefühlt. Auch den Standort, das Gewerbegebiet Malsfeld-Ostheim, verteidigte Bertelmann: „Wir bieten unsere Dienstleistungen dort an, wo sich Dienstleister sonst auch ansiedeln“, sagte er.

Neben den Werkhallen wurden ein Sozialbereich, ein Verwaltungstrakt, eine Kantine und eine Tagesförderung für Menschen mit schwerer Behinderung eingerichtet. 135 Plätze bieten die Werkstätten. 21 Diakoniemitarbeiter sorgen für den Betrieb.

Liane Grewers vom hessischen Sozialministerium betonte, dass trotz der angestrebten Inklusion – also der Beteiligung am normalen Berufsleben – der Bedarf an Werkstätten für Menschen mit Behinderung bestehen bleibe. So könne bisher nur einem sehr kleinen Teil der Betroffenen ein Arbeitsplatz in der Wirtschaft vermittelt werden.

Von Göran Gehlen

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