Alkoholmissbrauch: 38 Jugendliche wurden 2011 in Kliniken behandelt

Viele sind hart am Limit

Gegen Spaßbremse: Fröhlich sein, das geht auch ohne Alkohol, sagen Vizelandrätin Susanne Selbert (links) und die Leiterin des Jugendamtes, Sabine Scherer. Sie stehen im Gebäude der Kreisverwaltung vor dem Bild „Passfotos mit bester Freundin“ (Andrea Steen, 1998). Foto: Wohlgehagen

Kreis Kassel. „HaLt“ - Hart am Limit“ lautet eine bundesweite Präventionsinitiative gegen Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen, die seit Sommer 2011 auch im Landkreis Kassel läuft. Vizelandrätin und Sozialdezernentin Susanne Selbert (SPD) legte jetzt mit der Leiterin des Jugendamtes, Sabine Scherer, Ergebnisse der Beratung von alkoholvergifteten jungen Menschen vor. Danach wurden 38 Kinder und Jugendliche mit Vergiftungen ins Krankenhaus gebracht.

Die Daten stammen aus Kontakten mit Kindern und Jugendlichen aus dem Landkreis, die im Klinikum Kassel mit Alkoholvergiftung behandelt und dort von der Drogenhilfe Nordhessen intensiv beraten wurden.

Aufgrund dieser beunruhigenden Entwicklung habe der Landkreis jetzt mit den Gemeinden, den Krankenhäusern und medizinischen Hilfsdiensten, der Feuerwehr, der Polizei und den Schulen eine Kampagne ins Leben gerufen, um aktiv Haltung gegen selbstschädigendes Trinkverhalten zu zeigen, sagte die Vizelandrätin bei einem Pressegespräch.

„Wir wollen erreichen, dass man pragmatisch an das Problem übermäßigen Alkoholkonsums herangeht.“ Ziel müsse es sein, den selbstverantwortlichen Umgang mit Alkohol zu vermitteln, ohne den Zeigefinger zu erheben. Lieber „mit Spaß bremsen als Spaßbremse spielen“, sagte Susanne Selbert.

Die Zahlen aus den Gesprächen mit den Jugendlichen und ihren Eltern im Krankenhaus seien kein umfassendes Erklärungsmuster, aber dennoch aufschlussreich, sagte Selbert. Der Alkoholmissbrauch sei ein Gruppenphänomen und ein Thema für Deutsche. Migrationshintergründe seien nach der Auswertung der Kontakte zu vernachlässigen, so die Sozialdezernentin. Die Aufklärungskampagne auf kommunaler Ebene soll zunächst in den Städten Hofgeismar und Wolfhagen, in Lohfelden und Kaufungen sowie in Habichtswald, Zierenberg, Naumburg, Breuna und Bad Emstal beginnen.

Diese Auswahl geht auf die in diesen Gemeinden bestehenden Erfahrungen mit Präventionsinitiativen zurück. Sabine Scherer nannte Beispiele aus der Region, wie den „Freaky Friday“ in Wolfhagen und den alkoholfreien Neujahrsempfang im Bad Emstal. In Lohfelden habe es wegen der Ausgabe verschiedenfarbiger Armbänder für unterschiedliche Altersgruppen bei Märkten und Festen zwar Kritik gegeben, aber auch dort sei man auf dem richtigen Weg, sagte die Leiterin des Fachbereichs Jugend bei der Kreisverwaltung. (ppw) HINTERGRUND

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