Großfeuer bei Spedition Ullrich in Kaufungen

Vier Jahre Haft für Brandstiftung in Spedition

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Ging im Januar in Flammen auf: Das Bürogebäude der Kaufunger Spedition Ullrich.

Kassel. Im Prozess um den Großbrand bei einer Spedition in Kaufungen-Papierfabrik ist das Urteil gefallen. Das Kasseler Landgericht sprach einen 32-Jährigen aus Sachsen der Brandstiftung in Tateinheit mit Diebstahl sowie eines weiteren Diebstahls schuldig.

Es verhängte eine Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren. Zugleich ordnete es an, den Angeklagten in einer Entziehungsanstalt unterzubringen.

Der 32-Jährige war in keiner Weise vorbestraft. Er hat ein Handwerk erlernt, später als Fernfahrer gearbeitet – zeitweise in der Berliner Filiale der Kaufunger Spedition. Als er am 13. Januar dort einbrach, sollte er eigentlich Kollegen zu Montage-Arbeiten nach Nordrhein-Westfalen fahren. Nach eigenem Bekunden hatte er die Droge Crystal Meth konsumiert. Er sei in den Monaten zuvor immer stärker abhängig von der Substanz geworden, hatte er einer Gutachterin berichtet.

Das Gericht schloss nicht aus, dass der Angeklagte unter dem Einfluss der Droge vermindert schuldfähig war. Allerdings beziehe sich das nur auf die enthemmende Wirkung, erklärte Richter Jürgen Stanoschek. Vorsätzlich gehandelt habe der 32-Jährige trotzdem.

„Dass das eine fahrlässige Brandstiftung war, halten wir für ausgeschlossen“, betonte der Richter. Vorsätzlich sei der 32-Jährige in ein Gebäude der Spedition eingebrochen und habe in einer vermieteten Büro-Etage nach stehlenswerten Dingen gesucht. Vorsätzlich habe er dann an zwei Stellen in dieser Etage einen Brand gelegt, um Spuren zu verwischen.

Anschließend habe der Angeklagte sich „zielstrebig und flotten Schrittes“ auf das Gelände einer benachbarten Spedition begeben. Dort habe er Werkzeug, Tankkarten und einen Ford Transit gestohlen. Und mit dem Wagen habe er schließlich, bereits ertappt, eine Schranke durchbrochen und sei geflohen. Ob die Substanz wirklich für die riesigen Gedächtnislücken gesorgt habe, die der 32-Jährige geltend gemacht hatte, könne nur dieser selbst sagen.

Die Verteidigung hatte argumentiert, fahrlässiges Handeln sei nicht auszuschließen, und eine Bewährungsstrafe angeregt. Sie hatte auch Überlegungen zurückgewiesen, von dem 32-Jährigen seien weitere Straftaten zu erwarten, falls er nicht therapiert werde.

Die Kammer aber sah alle Voraussetzungen für den Maßregelvollzug gegeben. Der Angeklagte müsse an sich arbeiten, um die Kurve zu kriegen, gab ihm Stanoschek mit auf den Weg. Mit der Vorstellung „das Crystal war’s, sonst bin ich ein guter Mensch“ sei es nicht getan.

Von Katja Schmidt

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