Wohnheim der Baunataler Diakonie Kassel vermeldet sinkende Anmeldezahlen

Villa gehen die Kinder aus

Villa Kunterbunt: Von den einst 18 Kindern und Jugendlichen, die vor drei Jahren hier eingezogen waren, wohnen heute nur noch neun in dem Haus. Foto: Thon

Baunatal / Hofgeismar. Der Villa Kunterbunt in Hofgeismar stehen Veränderungen ins Haus: Künftig wird dort nur noch eine Gruppe behinderter Kinder und Jugendlicher wohnen. Denn die Nachfrage von Eltern nach einem Wohnheimplatz sei stark zurückgegangen. Das sagte jetzt Mechthild Scheld-Ast von der Baunataler Diakonie Kassel (BDK), Trägerin der Einrichtung.

Vor drei Jahren war die Villa Kunterbunt eröffnet worden. Von 18 Betreuungsplätzen für junge Menschen mit multiplen Behinderungen werden derzeit nur neun in Anspruch genommen. Einige Bewohner haben die Altersgrenze von 18 Jahren erreicht und sind in andere Heime gewechselt. Die freien Kapazitäten sollen in wenigen Monaten von einer Gruppe erwachsener Behinderter genutzt werden.

Eltern mit Bedenken

Nicht bei allen Eltern, deren Kinder derzeit in der Villa leben, stößt das neue Konzept der BDK auf Gegenliebe. Sie fürchten, dass es zwischen den Mitgliedern der jüngeren Gruppe und den dann älteren Bewohnern zu Interessenskonflikten kommen könnte. Überhaupt nicht nachvollziehen kann die Mutter eines Bewohners (Name ist der Redaktion bekannt), dass es für einen Platz in der Villa Kunterbunt angeblich keine Nachfrage geben soll. Sie habe vor einigen Jahren auf der Suche nach einem Wohnheimplatz in Nordhessen 14 Absagen erhalten. Von ähnlichen Erfahrungen berichtet der Vater eines anderen Kindes.

Mechthild Scheld-Ast erklärt: Die Situation habe sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt. Der Familienentlastende Dienst leiste im Raum Hofgeismar eine hervorragende Arbeit. Das führe dazu, dass Familien ihr behindertes Kind länger bei sich behalten und nicht so schnell in eine fremde Einrichtung geben.

„Stimmige Konzepte“

Das schlage sich in sinkenden Anmeldezahlen nieder. Die Bedenken der Eltern versucht sie indes zu entkräften: „Für die beiden Gruppen wird es stimmige Konzepte geben.“

Unzufrieden zeigten sich Teile der Elternschaft auch mit der Freizeitgestaltung. Nicht für alle Kinder habe es abwechslungsreiche Angebote gegeben. „Mein Sohn war in den vergangenen zwei Jahren nicht einmal im Schwimmbad“, sagt eine Mutter. Auch das, so Mechthild Scheld-Ast, sei eine Konsequenz der gesunkenen Bewohnerzahl. Am Ende seien die beiden Gruppen so klein gewesen, dass es schwierig gewesen sei, die unterschiedlichen Interessen der Bewohner unter einen Hut zu bringen. Manchmal sei es auch die Art der Behinderung, die eine Teilnahme an Aktivitäten nicht ermögliche.

Die Diplompädagogin geht aber davon aus, dass es mit der Fusion der beiden zusammengeschmolzenen Kindergruppen zu einer großen wieder mehr Impulse für gemeinsame Aktivitäten geben wird. www.baunataler- diakonie-kassel.de/

Von Antje Thon

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