Neuland fürs Baunataler VW-Werk

Neuland fürs VW-Werk: Hier entstehen bis zu 120 Elektromotoren pro Tag

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Neue Antriebstechnik: Karsten Köllner (36, von links), Philipp Löber (30) und Denise Schildt (23) zeigen die Motoren für den neuen E-Up nach der Endmontage im Baunataler VW-Werk.

Baunatal. Die mit Elektromotoren ausgestatteten Modelle E-Up und E-Golf gehörten zu den Stars von Volkswagen bei der IAA. Der Glitzernebel hat sich inzwischen verzogen. Der Schritt des VW-Konzerns in die Elektromobilität wirkt hingegen nach - auch auf den zweitgrößten Standort, das VW-Werk in Baunatal.

Mit der Serienproduktion für die Elektroantriebe betreten die Mitarbeiter Neuland. Bis zu 120 Motoren verlassen jetzt täglich die dafür umgebaute Halle 6.

„Seit wenigen Tagen können Kunden den E-Up bestellen“, erläutert Karsten Köllner, im Werk mitverantwortlich für die E-Traktion. „Der Golf kommt in einem halben Jahr.“ Nachdem das Werk 2010 den Zuschlag für die Produktion der Antriebe erhielt, wurde in Baunatal geforscht, entwickelt und getestet. Am Ende stehen nun zwei serienreife Motorvarianten. Der Antrieb für den Up leistet 82 PS, der für den Golf 115 PS.

Werkleiter Prof. Hans-Helmut Becker spricht von einer „verdammt großen Herausforderung für die Mitarbeiter“. Schließlich sind mit der Entwicklung und der Produktion von Elektromotoren am Getriebestandort Baunatal neue Sichtweisen verbunden.

Ganz in Weiß: Sogar die Schuhe der Mitarbeiter müssen demnächst in der Halle 6 weiß sein. Mitarbeiterin Brigitte Erhardt zeigt es. In diesem Bereich wird gerade die Produktion für zwei neue Audi-Getriebe aufgebaut.

Weiße Böden, die mit Epoxidharz beschichtet sind, weiße Maschinen und teilweise schon Mitarbeiter in weißen Anzügen und mit weißen Schuhen an den Füßen machen auch optisch deutlich: In der 70 000 Quadratmeter großen Halle findet etwas Besonderes statt, auch wenn die Abteilung E-Traktion bisher erst 3500 Quadratmeter der Fläche belegt. Weil in der Halle demnächst außerdem zwei neue Getriebe für Audi gefertigt werden, sei absolute Sauberkeit notwendig, so VW-Sprecher Rudi Stassek. Es dürfe kein Schmutz in die empfindlichen Bauteile gelangen.

Die Batterien für den E-Antrieb kommen aus Braunschweig, das Gehäuse liefert Hannover. In Baunatal kommen drei selbst gebaute Getriebeteile hinzu sowie die Elementarteile für Elektroantriebe: Rotor und Stator. 40 Mitarbeiter setzen die Teile schließlich zu einer Einheit zusammen. Per Lkw gehen sie dann auf die Reise zum Einbau in den Up im Werk in Bratislava.

Auf dem Baunataler Werksgelände sind schon einige E-Ups zu sehen. Nahezu geräuschlos gleitet der Kleinwagen über die Straße. Der Tritt aufs Gaspedal erstaunt den Fahrer. Weil ein Elektromotor die Kraft ohne Verzögerung an die Antriebsachse weitergibt, marschiert das Auto bemerkenswert zügig vorwärts. Das Drehmoment sei das besondere Pfund des Elektromotors, sagt Karsten Köllner. „Das maximale Drehmoment wirkt ab 0 km/h.“

Bilder aus dem VW-Werk

E-Motor-Produktion im Baunataler VW-Werk

Wie sich der Zweig entwickelt, hängt natürlich von den Bestellungen ab. Wenn E-Up und E-Golf zu Rennern werden, dann müsse man eine zweite Produktionslinie einrichten, sagt Köllner nüchtern. Insgesamt, so ist aus dem Werk zu hören, kann man noch schwer einschätzen, wie die Akzeptanz beim Kunden sein wird. Aktuell jedenfalls läuft’s gut: Die Mitarbeiter müssen zu Sonderschichten samstags ins Werk kommen.

Von Sven Kühling

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