Abgasskandal: Mit neuer Software machte Auto Probleme

Streit mit Volkswagen: Nach Umrüsten blieb Golf liegen

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Ist verärgert: Gerhard Oehler aus Kassel hat nach Aufforderung von VW diesen Golf Variant in die Werkstatt zum Umrüsten gebracht.

Kassel. Einen Tag vor Weihnachten hat Gerhard Oehler bei einem VW-Händler im Landkreis Kassel seinen VW Golf Variant 1,6 TDI umrüsten lassen. Und damit begannen die Probleme. 

Zum Umrüsten war er schriftlich von VW in Wolfsburg aufgefordert worden. Doch kurz nachdem die Betrugssoftware in dem Auto durch die neuen Daten ersetzt worden war, habe er bei einer Fahrt nach Süddeutschland erhebliche Probleme bekommen, berichtet der 56-jährige Kasseler. Seither kämpft Gerhard Oehler um die Übernahme von Kosten für einen Leihwagen und einen Abschleppdienst. Volkswagen habe lediglich die Kosten für die Reparatur übernommen.

Der Reihe nach: „Anfang der Weihnachtswoche haben wir Post von VW erhalten“, berichtet Oehler. Schnell habe er in der VW-Werkstatt einen Termin zum Aufspielen der neuen Software bekommen. „Das ist alles problemlos gemacht worden.“ Auf der Fahrt mit seiner Lebensgefährtin, der das Auto gehört, am Donnerstag nach Weihnachten in den Süden leuchtete dann im Display plötzlich eine Warnleuchte auf. „Ich habe sofort gesagt, dass das was mit dem Umrüsten zu tun hat.“

Nach Rücksprache mit seiner VW-Werkstatt sei der Notdienst von VW eingeschaltet worden. „Das Auto wurde von einem Abschleppdienst in eine Werkstatt nach Alsfeld gebracht“, berichtet Oehler. Dort habe man ihm gesagt, dass der Fehler bei der Abgasrückführung liege, es handele sich um eine größere Reparatur, die mehrere Tage dauere. „Dann mussten wir uns bei Europcar einen Leihwagen nehmen. Kosten: 300 Euro Kaution und 307 Euro für die Fahrt übers Wochenende.“ Auch den Abschleppwagen für 134 Euro habe das Paar aus der eigenen Tasche zahlen müssen, berichtet der Kasseler weiter. Seine Lebensgefährtin habe die Rechnung mit ihrer Bankcard beglichen.

Kurze Zeit nach der Umrüstung leuchtete eine Warnleuchte auf dem Display auf, wie Gerhard Oehler zeigt.

Das Auto hat Oehler nach dem Kurzurlaub inzwischen in Alsfeld abgeholt. VW habe ihm mitgeteilt, sich in den nächsten zwei Wochen wieder zu melden, berichtet der 56-Jährige. „Wenn sich da nix tut, gehen wir zum Rechtsanwalt. Das lassen wir nicht auf uns sitzen“, sagt er verärgert.

Ihm gehe es jetzt vor allem darum, dass andere VW-Fahrer, die ihren Diesel umrüsten lassen, gewarnt seien. Schließlich könne ein solcher Fehler auch später erst auftreten. Und ob dann VW noch den Zusammenhang zu der Umrüstaktion anerkenne, sei fraglich. „Die Leute sollen deshalb sensibel werden und sich nicht abwimmeln lassen von VW.“

Möglicherweise kommt jetzt noch einmal Bewegung in die Sache. VW-Sprecher Nicolai Laude bot im Gespräch mit der HNA an, der Betroffene solle sich mit ihm in Verbindung setzen. Zunächst müsse der Fall nachvollzogen werden, dann werde entschieden, ob weitere Kosten übernommen werden.

Das sagt Volkswagen

Die Problematik bei der Abgasrückführung sei ein älteres Phänomen, sagt VW-Sprecher Nicolai Laude grundsätzlich, ohne den Einzelfall zu kennen. „Das ist schon lange vor dem Dieselthema und der Umrüstung von Fahrzeugen aufgetreten.“ Dabei handele es sich um einen schleichenden Prozess, bei dem ein Ventil durch Rückstände seine Funktionalität verliere. Richtig sei, so Laude, dass es einige wenige Fälle gebe, wo in direktem Zusammenhang mit der Umrüstaktion ein solcher Fehler auftrete. „Immerhin werden in Deutschland 2,6 Millionen Autos umgerüstet.“ „Wir kümmern uns um jeden Einzelfall“, betont der VW-Sprecher. Das gelte natürlich auch für Fehler, die nach einem gewissen Zeitraum aufträten. „In solchen Fällen gibt es das Instrument der Kulanz.“

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