„Gemeinsam Ziele erreichen“

Im Porträt: VW-Werkleiter Jablonski hat nicht nur ein gutes Gedächtnis für Zahlen

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Werkleiter Thorsten Jablonski

Baunatal. Der Zähler auf seinem Smartphone zeigt 7500 Schritte an – 10.000 hat sich Thorsten Jablonski (49) als Tagesziel gesetzt. Er ist Werkleiter bei Volkswagen (VW) in Baunatal. 

10.000 Schritte, das sind ungefähr sechs Kilometer, die Jablonski an diesem Vormittag zwischen neun und zwölf Uhr zurückgelegt hat. Früher sei er gejoggt, heute steigt er aufs Rad, um fit zu bleiben. Und Fußball? „Natürlich“, sagt der Vater dreier Kinder, „aber nicht mehr aktiv“.

9 Uhr: Jablonski ist auf Werktour

Er bewegt sich schnell in den Hallen des VW-Werks Kassel, lässt sich zwischen den Terminen von seinen engen Mitarbeitern auf den Stand bringen oder diskutiert mit ihnen knapp das vorausgegangene Gespräch. Er ist auf Werkstour, sechs Termine in vier Hallen: Getriebemontage, Abgasanlagenfertigung, Versorgungslogistik, Mechatronik. Einmal im Quartal drehe er die Runde – oft auch unangemeldet.

Jablonski, der Rotweine aus Italien schätzt, setzt auf dezente Eleganz – in seinem Büro gibt es nichts Überflüssiges. Er selbst hat sich das Ziel gesetzt, dass er „jeden Tag alle Mails erledigt, sonst wächst sie über den Kopf“. Und so stößt ihm beim Rundgang auch die Unordnung in einer Halle auf. Da sieht man, „dass es nicht läuft“, murmelt er, als er an einem Stapel aus altem Mobiliar und Aktenordnern vorbeikommt.

In den Hallen geht es um Shopfloormanagement – ein Werkzeug für Führungskräfte, um Abläufe zu verbessern. Dabei geht es nicht einzig um Effizienz, sondern auch um Fragen, ob die Produktionsvorgabe stimmt. Vereinfacht in einem Schaubild dargestellt sind: Anwesenheit, Stückzahl, Produktivität und der „Sprung in der Perlenkette“ – das ist die Fehlermeldung. Jablonski sieht auf einen Blick, ob die Zahlen plausibel sind. Rechnet vor, wenn das Ergebnis nicht passt – es sei eine seiner Lieblingsübungen, sagt er später.

VW-Werkleiter Jablonski: „Wir sind auf hohem Niveau ausgelastet“

Dieses Mal hat der Teamleiter eine höhere Stückzahl produziert, als von ihm gefordert. Während er irritiert nach einer Antwort sucht, zieht ein freundliches Schmunzeln auf Jablonskis Gesicht: „Mir gefallen die 150 ganz gut, aber es müssen nur 138 sein.“ Im Werk ist er Graf Zahl. Kennt er auch seinen Hochzeitstag? „Ja, wenn ich es nicht weiß, dann schau ich in meinen Ring.“ Jablonski ist ein freundlicher, offener Mensch und so ist sein Führungsstil. Selbst wenn er kritisiert, schickt er zwei Sätze später Wohlwollendes hinterher. Er will seine Mitarbeiter „nicht hinrichten, sondern mit ihnen gemeinsam Ziele erreichen“.

Zwei Stunden sind für die Runde angesetzt. Sie reichen nicht, er nimmt diese Gang durch die Hallen ernst, hört sich die Probleme in der Produktion an – von Krankenstand bis zum Ärger mit der veralteten Maschine –, lobt bereits Erreichtes. Als Chef lässt er viel Nähe zu, bleibt authentisch. Niemand in der Runde käme wohl auf die Idee, es ihm gegenüber am nötigen Respekt fehlen zu lassen.

Shopfloorrunde von links: Frank Schulze (Qualitätssicherung), Jörg Fenstermann (Logistik), Michael Fischbach (Standortoptimierer) und Werkleiter Thorsten Jablonski.

11.20 Uhr: Jablonski in einer Projektrunde

Seit 8 Uhr arbeitet Jablonski an diesem Tag. Gestartet ist er mit seinen Führungskräften für das Angebotsmanagement, anschließend folgt die Runde für die Beschaffung. Volkswagen stellt seine Komponentenwerke – jene, die Getriebe, Motoren oder Abgasanlagen fertigen – neu auf. Jablonski wird dann nach Wolfsburg wechseln. Kassel bekommt einen neuen Werkleiter. Der Standort steht vor der Aufgabe Produkte für Konzerntöchter wie Seat, Skoda, VW, Audi und Porsche attraktiv zu machen – also besser und günstiger als die Konkurrenz.

Millionen werden heute bewegt, Jablonski reibt sich an einem Euro, der pro Teil eingespart werden muss, trommelt mit dem Daumen auf den Tisch: „Wie wollen wir das schaffen?“ Die Frage wiederholt sich später in der Beschaffungsrunde, dem Einkauf des Werkes Kassel. Der Preis für ein Produkt soll fallen, „das schaffen wir auch“, sagt Jablonski.

Kurz vor dem Mittagessen wird es in der Projektrunde e-Mobilität ernst. Die Zusammenarbeit zwischen einzelnen Werken läuft nicht so reibungslos wie gewünscht, externe Zulieferer liefern keine konstante Qualität, der Zeitplan muss gehalten, immer wieder die Fragen: „Sind wir im Plan? Reicht das Budget?“.

Jablonski jongliert mit Zahlen, die Entwickler mit Toleranzen im µ-Bereich – 1000stel. Weitere Testreihen sind notwendig. Wieder bohrt Jablonski nach, lässt sich versichern, dass das Budget gehalten wird.

Ab 14 Uhr: Jablonski fährt nach Wolfsburg

Nun geht es nach Wolfsburg. Auf der Agenda: Vorstellung Handlungsfelder für die Konzern Komponente und Besprechung mit Komponenten-Vorstand Thomas Schmall. Irgendwann am Abend geht es nach Hause zur Familie. Sie lebt in Peine und vielleicht ist Zeit für ein Glas Wein.

Der Lebenslauf von Thorsten Jablonski

Thorsten Jablonski (49), geboren wurde er in Peine, studierte Maschinenbau an der TU Braunschweig.

  • 1994 stieg der Maschinenbau-Ingenieur als Volontär bei Volkswagen ein. Als Entwickler für Hinterachsen baute er ab 1996 die neu gegründete Entwicklung in Braunschweig mit auf. Von 1998 bis 2001 war er Referent für den Betriebsrat.
  • 2001 übernahm er für drei Jahre die Lenkungsfertigung im Werk Braunschweig.
  • 2009 zog Jablonski als Leiter der Lenkungsentwicklung mit seinem Team in das Kompetenzcenter Lenkung.
  • Juni 2012 bis Dezember 2015 übernahm er die Leitung des VW-Werkes Braunschweig. Neben dieser Funktion leitete er in Personalunion die Komponentenentwicklung und war zuständig für das Geschäftsfeld Fahrwerk (bis Mai 2012).
  • Mitte Januar 2016 übernahm er die Leitung des VW-Werks Kassel in Baunatal. In Personalunion ist er Leiter des Geschäftsfeldes Getriebe im VW-Konzern.
  • Privat: Jablonski ist verheiratet und Vater dreier Kinder. Hobby: Fußball. 

VW-Werkleiter Thorsten Jablonski verlässt Baunatal

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