Wichtiges Utensil

Kleine Helferlein: VW-Werk verbraucht jedes Jahr 500 Millionen Schrauben

Baunatal. Große Schrauben, kleine Schrauben, dicke Schrauben, dünne Schrauben, Schrauben aus Stahl und Zweidrittel leichtere aus Aluminium – im VW-Werk Kassel in Baunatal wird einfach viel geschraubt. Ein Getriebe DQ 400 e für Hybridfahrzeuge von Audi beispielsweise wird von 127 Schrauben zusammengehalten.

91 automatische Elektroschrauber versenken diese während des Produktionsvorganges in dem Bauteil. Fast jeder Schrauber dreht also nur eine einzige Schraube pro Teil.

Die Zahl der in einem Jahr im Werk benötigten Schrauben hat Dirk Würzler, Leiter der Schraubtechnik, nur hochgerechnet. Er gehe von mindestens 237 Millionen aus, sagt er. „Ganz genau wissen wir es nicht, es kann sogar sein, dass wir bis zu einer halben Milliarde Schrauben pro Jahr verbrauchen.“

Geschraubt wird in allen Bereichen des nordhessischen VW-Standortes. Vom Getriebebau über die Aggregate-Aufbereitung bis zur Abgasanlagenfertigung. 1700 elektrische Schrauber arbeiten rund um die Uhr. Jeder einzelne Schraubvorgang wird vom Computer überwacht. Der Experte spricht von gesteuerten Schraubsystemen.

Schraubspindeln im Getriebebau: Dirk Würzler überprüft die gesteuerten Schraubsysteme. Jeder einzelne Vorgang wird vom Computer überwacht.

„Drehmoment und Drehwinkel werden ständig gemessen“, erläutert Würzler. Wenn etwas nicht rund läuft, dann meldet sich der Computer in der Abteilung automatisch. Dann rückt ein Teil der 14 Mitarbeiter der Schraubtechnik aus, um dem Fehler auf die Spur zu kommen. Selbst von Hause können sich die Fachleute notfalls per Laptop in die Überwachung einschalten. Schließlich geht es um Sicherheit für die Kunden.

Fehler zu vermeiden, das steht deshalb bei den Mitarbeitern ganz ober auf der Liste. Wenn etwas schiefgehe, dann müsse man das schon beim Produktionsprozess erkennen, erläutert der Chef der Abteilung. Größtmöglicher Fehler wäre, wenn eine Schraube einfach in einem Getriebegehäuse zurückbleibt. Das könnte dazu führen, dass ein Getriebe bei voller Fahrt blockiert – möglicherweise mit schlimmen Folgen für die Insassen.

„Das Wichtigste beim Schrauben ist die Sauberkeit“, nennt Würzler einen Sicherheitsaspekt. Schließlich könnten Schmutz und Korrosion auf einem Gewinde schon die Wirkung der Schraube erheblich beeinflussen.

Von Sven Kühling

Rubriklistenbild: © Kühling

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