Vollautomatisches Hochregallager von VW: 40.000 Boxen gehen auf Reisen

Baunatal. Wer einen Blick ins neue Hochregallager von VW in Baunatal wirft, der weiß, dass ein Stück Zukunft jetzt Gegenwart ist.

Wie von Geisterhand gezogen oder geschoben suchen sich herrenlose Metallbehälter ihren Weg. Über Weichen und Schienen gleiten sie, gewähren anderen Kisten Vorfahrt und suchen sich dann einen metallenen Strang, der in die Nachbarhalle zu einem Mitarbeiter führt. Der greift ein Autoteil aus der Box und schickt es mit anderen Paketen in die ganze Welt hinaus.

Bis zu 800.000 Ersatzteile könne die vollautomatische Anlage am Original-Teile-Center (OTC) im Jahr herbeiholen, erklärt Holger Baetz, Chef der Logistik im OTC. 29 Millionen Euro hat Volkswagen in dieses hochmoderne Lagersystem investiert.

„Die beschäftigen sich mit der Strategie.“ 

Er holt die Teile aus der Box: Michael Seidlitz (52, aus Baunatal) hat einen extra Greifer, der die Pakete mit Luftzug ansaugen kann. Acht solcher Stationen gibt es in der Nachbarhalle.

Der Auftrag zum Bau der Halle habe ihm Furcht eingeflößt, gibt Projektleiter Thomas Schwarz zu. Und das will schon was heißen, Schwarz hat bereits den Bau mehrerer riesiger Hallen von Europas größtem Ersatzteilzentrum begleitet. Hier kam aber eine noch nie da gewesene Kombination aus großer Teilekapazität und vollautomatischem Transportsystem zusammen. Für das Hochregallager, so erklärt Schwarz, werde lediglich eine Grundfläche von 4500 Quadratmetern benötigt. Würde man die Teile in einem herkömmlichen Lager unterbringen, bräuchte man 22.500 Quadratmeter.

Kisten unterwegs: Ohne den Eingriff einer Hand suchen sich die Ersatzteile den Weg über das neue Schienensystem im Original-Teile-Center von Volkswagen. In diesem Teil des riesigen Lagers arbeitet kein Mensch. Fotos: Kühling

In anderthalb Jahren ist das 36 Meter hohe Gebäude mit 40.000 Boxen für Ersatzteile entstanden. Seit Wochen sitzen Informatiker und Ingenieure auf Klappstühlen dabei und programmieren die Anlage. „Die beschäftigen sich mit der Strategie“, sagt Baetz. Lichtmaschine, Felge und Karosserieteil sollen schließlich möglichst schnell dort ankommen, wo der Mitarbeiter das Ersatzteil angefordert hat.

Von Baunatal aus werden die Teile für Deutschland und Europa mit der Bahn transportiert. „130 Waggons gehen täglich direkt aus dem OTC raus“, erklärt Holger Baetz. „Und zwei Züge rollen nach Bremen und Hamburg zu den Schiffen.“

Wie groß das Lager ist, zeigt sich auch am Zeitraum für die Befüllung. Bis zum Jahresende dauert es, bis alle 40 000 Plätze belegt sind.

Das geschieht ebenfalls vollautomatisch und dadurch auch irgendwie unauffällig - eben wie von Geisterhand.

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