Das Heimatmuseum Hessenstube in Altenritte zeigt ein historisches Reise-Necessaire

Der Vorläufer des Kulturbeutels

Rüstzeug für den Urlaub: Das Reise-Necessaire in der Hessenstube. Foto:  Wienecke

Baunatal. „Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was verzählen. Drum nahm ich meinen Stock und Hut und tät das Reisen wählen“, schrieb Matthias Claudius über den Herrn Urian. Der deutsche Dichter, Journalist und Lyriker lebte von 1740 bis 1815.

Wo heute Kulturbeutel und Beautycase zum Einsatz kommen und früher Hut und Stock genügten, tat lange Zeit das Necessaire seinen Dienst. Das Lederetui mit der französischen Bezeichnung, die übersetzt nötig, notwendig oder erforderlich bedeutet, beherbergte nicht nur Nagelpflegeutensilien. In dem Exemplar in der Altenritter Hessenstube haben auch Bürsten und mehrere befüllbare Gefäße ihren festgelegten Platz. Später taten Kulturtaschen und Kulturbeutel auf Reisen ihren Dienst, in die zusätzlich noch Shampooflaschen, Make-up, Deodorants und Hautcremetiegel hineinpassten.

Die Bezeichnung Kulturbeutel ergibt sich aus der Bedeutung des Wortes Kultur. Es kommt von cultura, dem Pflegen, und bezieht sich nicht nur auf den Geist wie bei kulturellen Veranstaltungen, sondern auch auf den Körper und seine Pflege. In der Schweiz, Österreich und im Rheinland wird der Ausdruck Necessaire für den Waschbeutel weiterhin verwendet.

Die weichen Bürsten im Reise-Necessaire in der Hessenstube weisen Gebrauchsspuren auf. Sie wurden wohl auch zu Hause gern zum Frisieren von Kinderhaar verwendet.

Stadtmuseum Baunatal, Mühlenweg 4, und Heimatmuseum Hessenstube, Ritter Straße 1, Altenritte, sonntags von 14 bis 16.30 Uhr und nach Vereinbarung. Kontakt: 05 61/ 4 99 21 37.

Von Bettina Wienecke

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