Jugendburg Sensenstein: Jugendliche Straftäter errichten 2,5 Kilometer lange Einfriedung aus Holzstaketen

Vorm Zaun statt hinter Gittern

Neue Einfriedung: Entlang der Kreisstraße steht der von jugendlichen Straftätern errichtete Staketenzaun bereits. Ende 2013 soll das Gelände der Jugendburg Sensenstein auf 2,5 Kilometer Länge umzäunt sein. Foto:  Ketteritzsch

Nieste. Bis vor gut einem Jahr umgab ein Jägerzaun das weitläufige Areal der Jugendburg Sensenstein bei Nieste. Zuletzt hatte die hölzerne Einfriedung einen traurigen Anblick geboten: Der Jägerzaun war teilweise umgefallen, die Latten in erheblichem Umfang verrottet.

Jahrelang störte das niemanden, zumal der nicht einmal hüfthohe Zaun kaum geeignet war, ungebetene Gäste abzuhalten. Obwohl der Zaun also eigentlich unnötig ist, wird jetzt ein neuer gebaut, und zwar einer aus hölzernen Staketen. Entlang der Kreisstraße 4, neben der Zufahrt zu der kreiseigenen Jugendeinrichtung, steht er schon. Bis Ende des Jahres soll das gesamte Areal der Jugendburg auf einer Länge von 2,5 Kilometer neu eingefriedet sein.

Erledigt werden die Arbeiten nach Auskunft von Kreissprecher Harald Kühlborn von jugendlichen Straftätern, denen vom Gericht eine Arbeitsauflage als Alternative zum Jugendgefängnis erteilt wurde. Bei dem Projekt der beim Landkreis angesiedelten Jugendgerichtshilfe arbeiten die jungen Leute zusammen mit dem Hausmeister der Jugendburg, beaufsichtigt werden sie von Sozialpädagogen.

Ob es den neuen Zaun auch ohne die Notwendigkeit, straffällig gewordene Jugendliche beschäftigen zu müssen, geben würde, ist unwahrscheinlich. „Es werden in erster Linie Projekte umgesetzt, für die sonst kein Geld da wäre“, sagt Kühlborn. 12 000 Euro hat das Holz gekostet - zusätzliche Arbeitskosten fallen nach Angaben des Sprechers nicht an.

Aber warum hat man sich beim Eigenbetrieb Jugend- und Freizeiteinrichtungen wieder für einen Holzzaun entschieden, wo der Vorgänger doch am Ende marode war?

Ein Stahlzaun wäre in der Anschaffung teurer gewesen, argumentiert Kühlborn. Außerdem hätte ein solcher Zaun nicht durch Mitarbeiter des Kreises beziehungsweise durch die Jugendlichen aufgestellt werden können.

Und wer streicht später die Staketen? „Es ist nicht vorgesehen, den Zaun regelmäßig zu streichen“, stellt der Verwaltungssprecher klar. Das Holz werde daher „seine Farbe mit der Zeit verändern“.

Dass der Zaun schnell verrotten wird, diese Befürchtung hat man beim Kreis nicht. Der Zaun sei so gestaltet, dass schadhafte Holzteile leicht ausgetauscht werden könnten. Was das Erscheinungsbild angeht, legt man beim Kreis nicht die strengsten Kriterien an. Kühlborn: „Da es sich hier nicht um eine ästhetisch hochwertige Umzäunung in einem denkmalgeschützten Ortskern handelt, ist der natürliche Veränderungsprozess für die Umzäunung des Sensenstein-Geländes die adäquate Lösung.“

Neben der Jugendburg Sensenstein haben junge Straftäter auch schon in den kreiseigenen Heimen auf Sylt und in Berchtesgaden gearbeitet.

Archivfoto: Malmus HINTERGRUND / KOMMENTAR

Von Peter Ketteritzsch

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