Baunataler soll sich kurz nach Haftentlassung an fünf Jugendlichen vergriffen haben

Baunatal. Wenn stimmt, was in der Anklage steht, dann war das Rückfalltempo erschütternd. Erst Anfang Dezember 2010 war ein 35-jähriger Baunataler aus dem Gefängnis entlassen worden. Zwei Jahre und neun Monate hatte er abgesessen – wegen sexuellen Missbrauchs. Doch bereits zu Weihnachten desselben Jahres soll er sich erneut an einem Kind vergriffen haben.

Keine drei Wochen später. Jetzt droht dem Mann die Sicherungsverwahrung.

Die Staatsanwaltschaft legt dem gelernten Einzelhandelskaufmann unter anderem Kindesmissbrauch, sexuelle Nötigung, Körperverletzung und Verbreiten von Kinderpornos zur Last. In der Anklageschrift sind 15 Taten aus der Zeit von Weihnachten 2010 bis April 2011 aufgeführt. Und fünf mutmaßliche Opfer: alles Jungen, zwischen 12 und 14 Jahre alt, die den Angeklagten in seiner Wohnung in Baunatal besucht hatten.

Der 35-Jährige soll ihnen in die Hose und an den Penis gegriffen haben, soll ihnen Pornos gezeigt und sich vor ihnen selbst befriedigt haben.

Einen 13-Jährigen, so Staatsanwalt Bernd Setzkorn, habe der Angeklagte zudem mit Gewalt zum Onanieren gezwungen und ihn dann dabei mit seinem Handy fotografiert. Und einen 14-Jährigen habe er mit der Drohung, „ihm sämtliche Knochen zu brechen und ihn umbringen zu lassen“, so eingeschüchtert, dass der Junge gleich mehrfach den Oralverkehr habe über sich ergehen lassen.

Schweigend

Beim Prozessauftakt schwieg der Angeklagte zu den Vorwürfen. Verteidiger Markus Sittig kündigte jedoch an, dass sich sein Mandant im weiteren Verlauf des Verfahrens möglicherweise doch noch zu Wort melden wolle. In welche Richtung das gehen könnte, deutete sich bereits an: So warf Anwalt Sittig die Frage auf, ob die Fotos des onanierenden Jugendlichen nicht auch heimlich aufs Handy des 35-Jährigen überspielt worden sein könnten. Der Angeklagte als unschuldiges Opfer also?

Als der Mann zuletzt vor Gericht gestanden hatte (und am Ende hinter Gitter geschickt worden war), hatte er dagegen ein Geständnis abgelegt.

Um den achtfachen Missbrauch eines Elfjährigen ging es damals vor dem Landgericht in Paderborn. Bereits zuvor war der Angeklagte verurteilt worden, weil er zwei 13-Jährigen ans Geschlechtsteil gefasst hatte – zwischen den Regalen des Spielwarengeschäfts, das er im westfälischen Salzkotten betrieben hatte.

Kontaktverbot

Jegliche Tätigkeit, die ihn mit Kindern in Kontakt bringen könnte, war dem Mann nach seiner Haftentlassung untersagt worden. Und er habe sich durchaus einsichtig gezeigt, berichtete eine Polizistin, die den Angeklagten nach seinem Umzug nach Baunatal besucht und an das Kontaktverbot erinnert hatte.

Wie groß die Einsicht wirklich war, wird der Prozess zeigen müssen. Vier weitere Verhandlungstage sind angesetzt. Mit einem Urteil wird Mitte Januar gerechnet.

Von Joachim F. Tornau

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