VW-Betriebsrat: Gegen Rücklauf von China-Getrieben abgesichert

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Getriebe an Getriebe: So sieht es in der Montage des Direktschaltgetriebes DL 382 in Baunatal aus. Zum Jahresende soll in China eine nahezu identische Produktionslinie den Betrieb aufnehmen. Archivfoto: VW/nh

Baunatal. Milliarden investiert Volkswagen aktuell in neue Autowerke in China. Darunter auch in eine Produktionsstätte in Tianjin, wo exakt die Direktschaltgetriebe (DSG) gebaut werden sollen, wie sie derzeit im VW-Werk Kassel in Baunatal vom Band laufen.

Betriebsratschef Carsten Bätzold sieht die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Die Arbeitnehmervertretung habe dem VW-Aufsichtsrat zumindest einen Beschluss abgerungen, der besagt, dass keine Teile von China zurück nach Deutschland kommen. Mit diesem Vertrag sei derzeit ausgeschlossen, dass in Tianjin gebaute Getriebe beispielsweise in Wolfsburg in Autos eingebaut werden. „Wenn aus China Dinge zurückkommen sollen, dann muss das erst durch den Aufsichtsrat“, erläutert Bätzold das Abkommen.

Grundsätzlich hält der Betriebsratsvorsitzende das Engagement des Konzerns für sinnvoll. „Das ist strategisch nachvollziehbar“, sagt er. Schließlich könne VW nicht von Deutschland aus alle Fabriken auf der ganzen Welt mit Teilen beliefern.

VW-Vorstandsvorsitzender Dr. Martin Winterkorn hatte jetzt beim gemeinsamen China-Besuch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel betont, dass das Land zum größten und wichtigsten Absatzmarkt geworden sei. Gemeinsam mit dem chinesischen Partner FAW werde die Kapazität weiter ausgebaut. Aus VW-Kreisen wurde bekannt, dass zwei weitere Autofabriken zum Jahreswechsel 2017/2018 ihre Arbeit aufnehmen sollen - damit gäbe es insgesamt 20 Produktionsstätten von VW in China.

Lexikon-Wissen:

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Dass bei den Arbeitnehmern in Baunatal Ungewissheit bleibt, zeigt die Tatsache, dass der Betriebsrat an einer weiteren Absicherung für den Standort Baunatal arbeitet. Vom VW-Vorstand will man die Zusage erwirken, dass die nächste Generation der schnellschaltenden Getriebe, das DQ 381, samt Doppelkupplung für den europäischen Markt exklusiv im Werk Baunatal gefertigt wird. „Dazu haben wir aber noch keinen Vertrag“, sagt Bätzold. Es werde aktuell mit dem Vorstand darüber verhandelt.

Setzt sich für einen sicheren Produktionsstandort Baunatal ein: Betriebsratschef Carsten Bätzold.

Dass das komplette Know-how aus Baunatal samt Maschinen nach China übermittelt wurde, hatte bei manchen nordhessischen VW-Beschäftigten für Skepsis gesorgt. In den vergangenen Monaten waren nämlich Ingenieure aus dem sogenannten Getriebeleitwerk Baunatal in China aktiv, um dort identische Produktionslinien für DSG-Getriebe und einfache Schaltgetriebe aufzustellen. Ende des Jahres soll nun die Produktion in Tianjin starten. Dem Vernehmen nach gibt es nicht wenige Mitarbeiter - auch in Führungspositionen -, die vermuten, dass demnächst auch in China Teile für den europäischen Automarkt produziert werden könnten.

Offiziell sagt Baunatals VW-Sprecher Rudi Stassek: „Das Ende 2014 startende Getriebewerk in Tianjin in China wird die Kundennachfrage des chinesischen Marktes decken. Es sind derzeit keine nennenswerten Auswirkungen auf das Volumen des Standortes Kassel absehbar.“

Von Tianjin aus sollen zunächst nur Autowerke in China beliefert werden. Immer wieder keimen in Nordhessen aber Befürchtungen auf, dass der Konzern Teile der DSG-Produktion aus Baunatal nach China verlagern könnte. Der Betriebsrat in Baunatal will jedenfalls eine Schwächung des Standortes mit seinen 16 100 Mitarbeitern verhindern.

Von Sven Kühling

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