Besucherdienst bei VW in Baunatal wird 50 Jahre alt

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Aus der Anfangszeit: Das Bild aus dem Jahr 1961 zeigt die vollständig fertiggestellten Hallen 1 und 4 mit Kraftwerk und Resten der ehemaligen Henschel Flugmotorenwerke.

Baunatal. An den 2. Januar 1962 erinnert sich Herbert Sopper noch ganz genau. „Da stand ich beim Werkleiter Rudolf Leiding im Büro“, sagt er und hält einen Moment inne, als würde er die Zeit für einen Moment zurückdrehen wollen – in eine Phase, als es bei VW nur den Käfer gab.

Alles Wissenswerte über das VW-Werk in Baunatal gibt es im Regiowiki.

Leiding hatte Herbert Sopper vom Stammsitz in Wolfsburg geholt. Der 32-Jährige sollte im Januar vor 50 Jahren die ersten Führungen durch die damals nur zwei Hallen des seit 1958 bestehenden VW-Werkes organisieren. In einem halben Jahrhundert haben Sopper und dessen Kollegen dann über 800.000 Menschen aus Deutschland und vielen anderen Ländern durch die Produktion begleitet.

Zunächst ohne Mikrofon. Die Stimme musste bei laufenden Maschinen für 50 Leute und mehr reichen. „Ich habe mich auf eine Treppe gestellt und angefangen“, sagt Sopper.

Der gebürtige Schlesier betrat absolutes Neuland. „Ich bin erst mal durch die Abteilungen gegangen und habe mich informiert und die Leute gefragt: Was macht ihr denn hier?“, erinnert er sich an den Start des Besucherdienstes. Die Halle 1 und die Halle 4 waren noch durch das Lohwäldchen getrennt. „Dort mussten wir bei den Führungen durchlaufen. Es gab jede Menge Hasen und andere Tiere dort“, berichtet der heute 82-Jährige, der bis 1989 den Besucherdienst leitete.

In dieser Zeit wurde Wolfgang Marschall Chef, der den Stab schließlich 2009 an den heutigen Leiter Ulrich von Klopmann weitergab.

Seit 1964 ist die Abteilung in der Halle 2 angesiedelt. Besucher aus 52 Ländern begrüßten die Mitarbeiter in den 50 Jahren. „Israelis waren früher nur unter Begleitschutz da“, erinnert sich Marschall. Und in den 70er-Jahren seien die Japaner gekommen.

Irgendwann stellte die Werkleitung fest, dass mancher Japaner die Produktionsanlagen nicht nur für das eigene Fotoalbum zu Hause fotografierte, sondern offensichtlich Erkenntnisse über den Autobau für die Produktion im eigenen Land gewinnen wollte. Das habe zu einem vorübergehenden Verbot für Besuchergruppen aus Japan geführt, berichtet der heute 62-Jährige. Der Besucherdienst wurde in den folgenden Jahren mit immer mehr Technik ausgestattet. „1990 haben wir einen der ersten Beamer bekommen, der kostete 40 000 Euro“, erinnert sich Marschall an den technischen Fortschritt.

Und was ändert sich nach dem Start in die nächsten 50 Jahre? Moderner sollen die Führungen durchs Werk werden, sagt von Klopmann. Auszubildende werden ab Januar Jugendliche begleiten. Und in der Halle 6 will VW schon bald Gästen die Produktion des E-Antriebes von einer modernen Glasempore aus präsentieren.

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