Jubelstimmung ade

Jubelstimmung ade: VW-Werk in Baunatal droht Delle

Werk in der Sonne: Einiges deutet darauf hin, dass der Aufschwung für das VW-Werk in Baunatal erst mal gestoppt ist. 16 000 Mitarbeiter (inklusive 2000 Leiharbeiter) sind derzeit am Standort beschäftigt. Foto: Kühling

Baunatal. Besser als die Konkurrenz, schlechter als der Plan: So bewerten viele im VW-Werk die Lage auf dem geschwächten europäischen Automarkt. Das hilft zwar über die ersten Vorboten einer Delle bei den Wachstumszahlen hinweg, von der Jubelstimmung der ersten acht Monate ist nichts mehr zu spüren.

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In den ersten acht Monaten des Jahres hat Volkswagen auf dem Weltmarkt nach eigenen Angaben um 10,2 Prozent zugelegt. Andere Automarken lagen bei einem Plus von 8,8 Prozent. Dadurch brummte das Geschäft im zweitgrößten deutschen Werk des Konzerns in Baunatal. Während in China und den USA VW-Modelle noch recht ordentlich verkauft werden, bricht der Markt in vielen Ländern Westeuropas ein.

Die Euphorie der ersten Jahreshälfte schwindet. Aus dem Werk ist zu hören, dass die Absatzkrise bei den europäischen Nachbarn dem Management deutlich Kopfschmerzen bereitet. Vorstandschef Martin Winterkorn sprach kürzlich bei einer Betriebsversammlung im Stammwerk Wolfsburg selbst von einem deutlich schwierigeren und härteren Umfeld. Baunatals VW-Sprecher Rudi Stassek ergänzt: „Wir bleiben bei dem Plan von der Produktion von vier Millionen Getrieben im nächsten Jahr“, sagt er. Einbußen bei den herkömmlichen Varianten werde das Werk durch steigende Nachfrag nach Direktschaltgetrieben ausgleichen. „Wir wachsen noch“, so Stassek.

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Das sind die Fakten: Von Januar bis August verkaufte VW in ganz Europa gegenüber dem Vorjahr zwar immer noch 1,7 Prozent mehr Autos, ohne Deutschland gerechnet sank der Absatz allerdings um 5,8 Prozent. Von drohenden Einbrüchen bei den Zahlen in den Auftragsbüchern in Baunatal will also offiziell noch niemand reden. Genug Arbeit sei noch da, heißt es von Mitarbeitern, unter anderem durch den Verkaufsstart des Golf VII, für den in Baunatal jede Menge Teile für den neuen Modularen Querbaukasten (MQB) gefertigt werden.

Doch nicht alle Produktionsbereiche sind derart gut ausgelastet. Bekannt ist seit Längerem, dass deutlich weniger Schaltgetriebe für den Markt in Südeuropa das nordhessische Werk verlassen – insbesondere für die spanischen Seats. Fiat und Peugeot haben zum Beispiel heftig mit der Eurokrise zu kämpfen. Stellenabbau und Kurzarbeit sind die Folge. Dass VW noch so gut dasteht, hat der Konzern vor allem dem guten Absatz in China und den USA zu verdanken. In China verkaufte man in den ersten acht Monaten 17,9 Prozent mehr Autos als 2011. In Nordamerika waren es sogar 24 Prozent mehr.

Von Sven Kühling

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