Know-How aus Nordhessen

VW-Werk in Baunatal: Für den neuen Golf vibriert der Boden

Baunatal. Rot glühend rollt das Stahlteil heran. Greifarme nehmen das noch 820 Grad heiße Stück auf und legen es millimetergenau in eine Presse. Diese drückt beängstigend heftig zu. Mit 1600 Tonnen. Der Boden in der riesigen Halle 2 vibriert. Fertig ist ein formgehärteter Tunnel für den neuen Golf VII.

Im Baunataler VW-Werk werden erstmalig durch Hitze gehärtete Blechteile für das Top-Modell von Volkswagen gefertigt.

Seit dieser Woche können Kunden den Golf der siebten Generation bestellen. Seit über einem Jahr laufen die Vorbereitungen für die Teile-Produktion im Baunataler Werk, berichtet Meister-Vertreter Tobias Engelmann. Im Vergleich zu anderen Modellen sei der Start des Golfs etwas ganz besonderes, sagt er.

Viel Platz wurde in der Halle für die riesigen Maschinen geschaffen. Hinter allem steckt: Viele Teile werden möglichst schnell gebraucht. Die Anzahl aller formgehärteter Stücke aus Baunatal wird in zwei Jahren enorm steigen. Werden es in diesem Jahr rund eine Million sein, schnellt die Zahl bis 2014 auf 6,4 Millionen hoch.

Rot glühend: 950 Grad heiß kommt die Blechplatine aus dem Ofen. Noch 820 Grad heiß ist sie, wenn sie die Greifarme anschließend in die Presse legen. Während des Pressvorgangs wird das Teil mit Wasser auf 200 Grad abgekühlt.

Elf 50 Meter Kolosse aus Ofen und Presse werden in der Halle aufgestellt. Um das Tempo zu erhöhen, wurden die Öfen, in denen die Blechteile zunächst auf 950 Grad erhitzt werden, um eine zweite Etage ergänzt. Ein automatischer Fahrstuhl holt abwechselnd Blechteile aus den Öfen und schickt sie in die Presse. Bei voller Produktion sollen die Maschinen alle 19 Sekunden ein fertiges Teil ausspucken.

„Wir tasten uns langsam an diese Geschwindigkeit heran“, sagt Tobias Engelmann und berichtet von enormer Belastung für die Maschinen. Allein 700.000 VW Golf werden aktuell pro Jahr verkauft. Elf formgehärtete Teile für den Modularen Querbaukasten (MQB) für den neuen Golf und den neuen Audi A 3 werden in Baunatal gefertigt. Bei dem MQB handelt es sich um eine einheitliche Mittelkonstruktion der Autos, die künftig auch in Polo, Tiguan und Passat verwendet wird. Letztendlich soll die Plattform in 40 Modellen von VW, Skoda und Seat zum Einsatz kommen. Damit spare der Konzern 30 Prozent der Produktionskosten ein, berichtet VW-Sprecher Rudi Stassek.

Von Sven Kühling

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Rubriklistenbild: © VW/nh

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